Eigentümer fällt Bäume für Bauvorhaben

Jetzt wird abgeholzt: Wo bis Anfang Januar Artur Baraschs bewaldeter Garten lag, soll ein gediegenes Wohnhaus entstehen. (Foto: Barbara Gstaltmayr)

Grunewald. Nachdem der Verein "Bürgergarten der Erinnerung" dem Besitzer kein Kaufgebot vorzulegen vermochte, röhren in der Wissmanstraße 11 nun die Sägen. Ist ein Holocaust-Gedenken hier noch möglich?

Kurz bevor die Männer mit den Sägen erschienen, gab es für die Nachbarschaft noch einen Hinweis: Man wolle möglichst viele Bäume schonen, ließ Grundstückseigner Ralf Schmitz mitteilen. Dann verschwanden im Garten des von Nazis ermordeten jüdischen Kaufmanns Artur Barasch 30 von 40 Gehölzen. Und es entstand Platz für einen bereits genehmigten Neubau, welcher das Grundstück mit einer Villa und einem Gartenhaus nochmals verdichtet.

Es handelte sich laut Vereinsgründerin Barbara Gstaltmayr um den Bewuchs des ältesten Garten Grunewalds. Ihre Hoffnungen auf einen authentischen und persönlichen Begegnungsort zu Ehren der Baraschs haben sich damit wohl zerschlagen. Was aber nicht bedeutet, dass die Erinnerungsarbeit völlig ruht. Bei der Veranstaltung "denk mal" im Berliner Abgeordnetenhaus werden Schüler des Rathenau-Gymnasiums vom 19. bis zum 26. Januar (wochentags geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr) vorstellen, was sie in Baraschs Garten und in den Eintragungen aus einem Fluchttagebuch recherchieren konnten. "Natürlich ist es eine fundamental andere Situation, da der eigentliche Garten nun weg ist", zeigt sich Gstaltmayr enttäuscht. Dennoch sei es wichtig und unstrittig, dass die Arbeit mit den Schülern weitergeht: "Diese Aufgabe hatten wir uns ja gestellt." Als "Erinnerungsscouts" sollen ältere Schüler die Geschichte der jüdischen Familie an jüngere weitertragen.

Mehrfach hatte Ralf Schmitz betont, dass er der Gedenkkultur auf seinem Grundstück durchaus Raum geben will - etwa mit dem Aufstellen einer Gedenktafel. Doch nachdem die Grundlage für einen Erinnerungsgarten nun zerstört ist, wollen sich die in Amerika lebenden Ahnen Baraschs diesbezüglich querstellen. "Unter solchen Umständen", sagt Gstaltmayr nach ihrem Besuch in Kalifornien, "lehnen die Nachkommen jede Form von Gedenken an ihre Familie in diesem Garten ab."


Thomas Schubert / tsc
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