Anwohner des Grunwalds sind empört über den Kahlschlag im Forst

Grunewald. Die Sägen wüten, die Kiefern fallen, Bürger reagieren mit Protest. Was sie nicht wissen: Der "Waldumbau" hat einen höheren ökologischen Sinn. Denn Berlin rüstet sich für den Klimawandel.

Von einem Tag auf den anderen waren sie verschwunden - die stolzen Kiefern am Wegesrand. Und nur einige Haufen Späne und Reisig erinnern Gerda Specht daran, dass hier ein dichter Hain ihre Lieblingsroute im Grunewald säumte. "Was für ein Unding", beklagt sie sich über den Kahlschlag im großen Stil. Den Ärger von Gerda Specht teilt in diesen Tagen noch manch anderer Leser der Berliner Woche.

Was sie zumeist nicht wissen: Das Abholzen von Kiefern zugunsten von belaubten Baumarten, die neu gepflanzt werden, geschieht aus ökologischen Gründen. "Wir wollen die Wälder stabilisieren und verstärkt heimische Laubbäume wie Eichen, Buchen und Linden pflanzen", nennt Marc Franusch vom Landesforstamt den Hintergrund. Dieser "Waldumbau" vollziehe sich sowohl im Grunewald als auch im Köpenicker Forst. 850 000 Euro pro Jahr stehen im Berliner Landeshaushalt für das Mischwaldprogramm bereit.

Dass derzeit Kiefern dominieren, dafür sorgte nicht die Natur, sondern der Mensch. Nach dem Krieg musste der Baumbestand des Grunewalds als Brennholz herhalten. Um die sandigen Böden wieder zu bepflanzen, griff man zu den anspruchslosen, robusten Kiefern. Und die sollen nun einfach weichen?

"Emotional kann ich den Ärger der Leute verstehen, aber es gibt Gründe", sagt Herbert Lohner, Naturschutzreferent beim BUND. "Wichtig ist, dass man Wälder besser an den Klimawandel anpasst." Der wird nach Ansicht von Forschern 20 Prozent weniger Niederschläge in der Region bewirken. Und zugleich mehr Stürme. "Ein gemischter Wald ist stabiler", sagt Lohner. Und der Wasserverbrauch von Kiefern sei höher als bei Laubbäumen. Denn sie verdunsten die Flüssigkeit über die Nadeln auch im Winter, wenn Laubbäume ruhen. So sinnvoll der Wandel im Wald sein mag, so langsam geht er vonstatten. Bis sich die Wälder von den Einschnitten erholen, kann viel Zeit vergehen. Das weiß Lohner. In der Forstwirtschaft sei es so, dass erst die Enkel erleben, was ihre Großväter in die Wege leiten.


Thomas Schubert / tsc
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