Ehrung für jüdische Wissenschaftlerin

Die Frauenbeauftragte der FU, Mechthild Koreuber (rechts), und Stadtrat Marc Schulte (2.v.re.) enthüllten die Gedenktafel für Rhoda Erdmann. (Foto: KT)

Grunewald. Die Grünanlage am Koenigsee trägt seit dem 16. Oktober den Namen Rhoda-Erdmann-Park. Damit ehrt das Bezirksamt eine jüdische Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin.

Die Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin (FU) Mechthild Koreuber begründete, dass Rhoda Erdmann (1870-1935) nicht nur eine hervorragende Wissenschaftlerin gewesen ist, sondern sich für die Gleichberechtigung der Frauen eingesetzt hat, die "eine wissenschaftliche Karriere angestrebt haben". Die Freie Universität hat damit begonnen, die Lebenswege von Frauen zu erforschen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Universität tätig waren. So forscht die Freie Universität ganz gezielt nach Frauen, die in den 20er-Jahren habilitiert haben. Bei diesen Forschungen tauchte auch der Name Rhoda Erdmann auf. Sie war die zweite Frau, die ihren Doktortitel in Deutschland abgelegt hatte.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung, Marc Schulte (SPD) erläuterte, dass nun eine Initiative der Fraktionen der SPD und der Grünen aus der vergangenen Wahlperiode umgesetzt wird. "Es ist eine sehr schöne Grünanlage und damit auch eine besondere Würdigung für die Wissenschaftlerin."

Die Frauenbeauftragte der FU Mechthild Koreuber erklärte, dass viele Einzelheiten aus dem Leben der Wissenschaftlerin noch nicht erforscht sind. An der FU gibt es seit 1997 das Rhoda-Erdmann-Programm, das sich besonders um die Weiterbildung von jungen Wissenschaftlerinnen kümmert. Damit sollen Frauen ganz gezielt in die berufliche Laufbahn kommen. Die Frauenbeauftragte verwies darauf, dass die FU die erste Uni gewesen ist, die sich speziell um die Förderung der Frauen gekümmert hat. "Doch es gibt noch viel Nachholbedarf", meinte Mechthild Koreuber. "Wir wollen den Frauen heute Vorbilder aufzeichnen und dazu gehören solche Wissenschaftlerinnen wie Rhoda Erdmann."

Rhoda Erdmann hat zunächst als Lehrerin gearbeitet, studierte dann bis 1908 Zoologie, Botanik und Mathematik an der Berliner Universität. Frauen war es in Preußen zumeist nur über diese Oberlehrerinnenkurse möglich, ein reguläres naturwissenschaftliches Studium zu absolvieren. 1908 promovierte sie und arbeitete dann als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Institut für Infektionskrankheiten bei Robert Koch. Sie gehört zu den Mitbegründern einer neuen Forschungsrichtung - der experimentellen Zellforschung. Weil sie in Deutschland als Frau wenig Chancen hatte, ging Rhoda Erdmann 1913 für einige Jahre in die USA. An der Yale University in New Haven/USA arbeitete sie sich in die modernsten experimentellen Methoden der Zellforschung und Gewebezüchtung ein. Als die Wissenschaftlerin 1920 nach Berlin zurückkam, konnte sie als zweite Frau in Deutschland ihre Doktorarbeit verteidigen. Vier Jahre später wurde Rhoda Erdmann zur Professorin berufen und 1929 zur beamteten außerordentlichen Professorin ernannt. Im darauffolgenden Jahr wurde ihre Abteilung für experimentelle Zellforschung (am Institut für Krebsforschung der Charité) zum selbstständigen Universitätsinstitut. Die Wissenschaftlerin war Begründerin und Herausgeberin der Zeitschrift Archiv für experimentelle Zellforschung.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde sie 1933 verhaftet und für zwei Wochen von der Gestapo eingesperrt. Ihr Lehramt durfte sie nicht mehr ausüben. 1935 wurde ihr mitgeteilt, dass sie "aus prinzipiellen Gründen" keine Vorlesungen mehr halten dürfe. Wenig später verstarb die Wissenschaftlerin. Zu ihren Verdiensten gehört neben der wissenschaftlichen Forschung auch die Gründung des "Verbandes deutscher Hochschuldozentinnen". Diese Tradition will die FU mit ihrem Netzwerk für die Förderung und Finanzierung der wissenschaftlichen Arbeit von Frauen.


Klaus Tessmann / KT
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