Baden mit Anspruch am Halensee

Hier entlang zum Baden: Güner „Mario“ Mümün präsentiert den Betrieb, in den über eine Million Euro floss. (Foto: Thomas Schubert)
 
Bad mit Ausblick: Die schneeweiße Möblierung hebt sich ab von den übrigen optischen Reizen. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Ku'damm Beach |

Grunewald. Endlich wieder sauber: Der Halensee hat dank Filtertechnik die nötige Reinheit erreicht, sodass Badegäste bedenkenlos abtauchen dürfen. Doch das Schwimmvergnügen hat seinen Preis.

Schneeweiße Sitzgruppen, schneeweißer Steg, schneeweiße Badetücher. Eine Farbwirkung, abgestimmt auf den hohen Anspruch. Wenn sich Freibäder in Güteklassen unterteilen lassen, dann spielt der „Ku’’damm Beach“ im Premiumsegment.

Zwölf Euro kostet es, oben an der Koenigsallee einzuchecken und dann am Fuße einer Treppen in den Halensee einzutauchen. Kinder unter acht Jahren planschen kostenlos und dürfen sich in einem Nichtschwimmerbereich sicher fühlen. Ansonsten überwacht ein Bademeister das Treiben von 10 bis 19 Uhr. Und danach schwimmt man bis zur Schließung des Betriebs gegen Mitternacht auf eigene Gefahr, im Angesicht von Villen und weißen Rettungsringen mit goldenen Bannern.

Gleich neben dem „Ku’damm Beach“ genießen die Gäste im Restaurant „Cappuccino Grand Café.“ Schmausen mit der Möglichkeit zum Baden – dieses Konzept braucht in den Augen von Inhaber Antonello Petrocelli Zeit und Muße. „Ich nenne es einen Chillout-Place“, stellt Petrocelli fest. Im Berliner Stadtgebiet betreibt er noch sechs weitere Lokale. Aber für die Grunewalder Niederlassung schwebte ihm etwas Besonderes vor. Hier kam dem Betreiber die Idee, das benachbarte, brachliegende Freibad Halensee nutzbar zu machen. „Ich habe in die gesamte Anlage 1,2 Millionen Euro investiert“, erzählt Petrocelli. „Wir führen hier am Halensee eine Tradition fort, die schon vor 130 Jahren begann.“ Je nach Saison betreuen das Anwesen 16 bis 28 Mitarbeiter unter der Geschäftsführung von Güner Mümün, den man Mario nennt.

Gepachtet hat man das frühere Freibad Halensee von den Berliner Bäderbetrieben, die ihre Präsenz Anfang der 2000er Jahre aufgaben. Verschmutzung durch einsickernde Schadstoffe hatte dafür gesorgt, dass ein Badeverbot erging. Nun, da das Einspülen von Schmutz von angrenzenden Straßen dank einer neuen Filteranlage beherrschbar wurde, ist dieses Verbot am 1. Mai gekippt. Prompt begann im „Ku’damm Beach“ das Zeitalter des nicht mehr ganz preiswerten Badens. Aus Sicht der SPD-Fraktion in der BVV ist das kein Zustand, den das Bezirksamt bedenkenlos akzeptieren sollte.

Die Verwaltung solle sich dafür einsetzen, „dass nach dem Auslaufen des derzeitigen Pachtvertrags für das Freibad Halensee in einem folgenden neuen Vertrag sichergestellt wird, dass der Zugang für die Bevölkerung zu moderaten Preisen möglich ist“, heißt es in einem Antrag. Wenn der jetzige Pächter nicht mitspiele, solle das Bezirksamt einen gemeinnützigen Träger finden, der das Bad auch für eine weniger zahlungsstarke Besucherschaft öffnet. „Halensee braucht kein Luxusbad mit Champagner-Service am Liegestuhl, sondern eine für alle Bürgerinnen und Bürger zugängliche Erholungsmöglichkeit“, gibt die SPD als Antragsbegründung an.

Auf dieses Schreiben angesprochen, betont Petrocelli nochmals die erheblichen Investitionen. Kein anderer Pächter des Bades vor ihm habe jemals nennenswerte Summen in den Erhalt gesteckt. Ein 6500 Quadratmeter großes Areal in Schuss zu halten, koste Mühe und Zeit. Deshalb sei das Eintrittsgeld angemessen. „Und der gesamte Service sowie die Benutzung der Liegen ist im Preis inbegriffen.“ Spekulieren lässt sich darüber, ob durch den Preis auch eine gewisse mondäne Ruhe einkehrt. Halbstarke, die „Arschbomben“ üben, wird man am „Ku’damm Beach“ eher nicht erblicken. tsc
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