Noch mal 150 Wohnungen an der Seesener Straße geplant

HNK zeigte Anwohnern, wie ihre Straße aussehen wird, wenn am Ringbahngraben Wohnhäuser entstehen. Gemeint ist das verschachtelte Objekt hinter der Zeile aus Bäumen. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Seesener Straße | Halensee. Ein siebengeschossiger Wohnriegel naht der Fertigstellung. Und daneben? Wo Seesener Straße und Ku'damm sich treffen, wartet das nächste prominente Grundstück auf Bebauung. Nach einem Jahr Vorbereitung präsentierte der Investor seine Pläne erstmals den Anwohnern. Und hörte herbe Kritik.
Einen Eishockeyschläger, sagt Stefan Nespethal, wolle er vermeiden. Nespethal ist Geschäftsführer der Immobilienfirma HNK. Und was kein sportlicher Schlagstock werdend darf, ist das neueste Projekt des Unternehmens: ein schmaler Baukörper an der Seesener Straße mit dickem Ende am nördlichen Zipfel, dem Henriettenplatz. Will heißen: Hier entsteht das westliche Tor des Kurfürstendamms.
Drei Variationen des gleichen Modells für 150 Wohnungen, Büros und Gewerbe hatte Nespethal den über 300 Besuchern einer Anwohnerversammlung in der Hochmeisterkirche mitgebracht. Jedoch solle man daraus nicht die endgültige Architektur ableiten, schränkte er ein. Es handle sich derzeit nur um eine „Baumassenstudie“. Die immerhin wird Ausgangspunkt für eine weitere Abstimmung mit dem Bezirk.
Auch wenn die Nachbarn sofort massive Kritik übten am Neubau, der ihnen Sicht und Helligkeit nimmt, besteht keine Chance mehr, das Projekt zu stoppen. „Es geht hier nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“, erklärte Stadtrat Marc Schulte (SPD) die baurechtliche Situation.
Nach Einholung eines Lärmgutachtens favorisieren Planer für das schmale Grundstück zwischen Seesener Straße und dem Graben der Ringbahn eine Bauvariante in lückenloser Riegelform. Denn sie könnte das Wohnviertel abschotten und das Geräuschniveau um bis zu 10 Dezibel senken. „Wir haben noch nie unter dem Lärm gelitten“, entgegnete allerdings eine Frau. Eine andere befürchtet, die dichte Bebauung auch auf der bisher freien Straßenseiten könne wie ein Trichter wirken und „den Lärm in die Straße ziehen“. Mehr Verkehr in der Seesener sei ohnehin programmiert bei einer Verdoppelung der täglichen Fahrten auf 1700. Und eine dritte Nachbarin bezeichnete die Idee, man würde durch die schallisolierende Wirkung des Riegels an Lebensqualität gewinnen „als Beleidigung meiner Intelligenz“.

Verträgt die Straße das?

Ein über 200 Meter langer Riegelbau von „Sanus“ im Süden. Und nun künftig eine offenbar ebenso massive Fortsetzung durch HNK im Norden. Verträgt die schmale Seesener Straße einen Zuwachs von insgesamt 350 Wohnungen?
Zumindest will die HNK laut Geschäftsführer Nespethal ihren Teil der Bebauung möglichst ansprechend gestalten. „Das wird kein Riegel, sondern Architektur“, erklärte er der Versammlung. Genauer gesagt soll es sich um acht einzelne Häuser handeln, „jedes mit einer anderen Fassade“. Solche Vielfalt trägt der Kritik Rechnung, die am beinahe fertig gestellten Nachbarbau von „Sanus“ aufkam. Auch wegen seiner einheitlichen Front. Am lautesten wehrten sich damals wie heute die Anhänger der Bürgerinitiative Henriettenplatz um ihren Sprecher Heinz Murken. Er nannte nun die Annahme „blödsinnig“, dass ein zweiter Riegel Ruhe in die Straße bringt – „hier hat niemand eine Lärmwand gefordert.“

Eigentlich hätten Planer und Politiker gelobt, aus dem ersten Neubau in der Seesener zu lernen, erinnert sich Murken „Aber jetzt haben wir wieder das gleiche, nur mit einer Versammlung davor.“ Nespethal wiederum betont, dass hier Mühe und Zeit investiert wird, um den Lückenschluss in Ku'damm-Lage angemessen zu gestalten. „Wir haben schon ein Jahr Vorarbeit hinter uns. Denn mit dem ursprünglichen Plan hat uns das Bezirksamt nach Hause geschickt.“

Jedenfalls wird sich die HNK mit ihrer neuen „Baumassenstudie“ bald erneut behaupten müssen – noch in diesem Monat im Stadtentwicklungsausschuss der BVV. Der Standpunkt des Investors ist vorher klar: „Die Seesener wird eine ganz normale Berliner Straße.“ tsc
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