Areal der Holtzendorff-Garagen liegt seit fast zwei Jahren brach

Triste Brache: Die Reste dieser alten Tankstelle sollen eines Tages als Entrée zu einem sechsgeschossigen Wohnhaus dienen. (Foto: Schubert)

Halensee. Investor und Bezirk hatten intensiv gestritten, dem Denkmalschutz Rechnung getragen und Bilder einer schmucken Wohnanlage vorgezeigt. Doch seit Bekanntgabe des Bauvorhabens gammelt das Holtzendorff-Grundstück in exponierter Lage vor sich hin.

An einem milden Spätwintertag schiebt Joachim Neu sein Fahrrad über die Heilbronner Straße zu der Stätte seines Ärgers. Schaut der streitbare Charlottenburger nach Süden, sieht er das Gründerzeithaus, in dem der Soziologe Siegfried Kracauer lebte. Schaut er herüber zum Wall der Stadtbahn, bietet sich der gleiche Anblick wie immer: verfallene Garagen, Brachland und die Überbleibsel einer der ältesten Tankstellen Deutschlands.

1929 von den Architekten Walter und Johannes Krüger errichtet, galt das Ensemble neben den Kantgaragen lange als eines der letzten Relikte der frühen deutschen Automobilkultur. Nachdem die Garagenschuppen als Eldorado für Schrauber vor einigen Jahren endgültig schlossen, schien die Zukunft des Geländes an der Stadtbahntrasse offen. 2012 stand dann fest: Eine Unternehmerfamilie aus der Oberpfalz errichtet auf dem Areal ein sechsgeschossiges Haus mit 38 Wohnungen, behindertengerechtem Erdgeschoss und Tiefgarage. Sie musste sich in den Verhandlungen allerdings bereit erklären, den denkmalgeschützten Tankstellenbau in das Projekt zu integrieren. Die Werbebilder zeigten ihn als Tor zur eigentlichen Pforte des Hauses.

Joachim Neu schüttelt den Kopf, weist auf die eingezäunte Tankstellenruine. "Ich frage mich: Was ist seitdem passiert?" Mitte 2012 hätten die Bagger rollen, im November 2013 die Wohnungen bezogen sein sollen. Und nun, im März 2014, deutet noch immer nichts auf Bauaktivitäten hin.

Neus Ärger steht stellvertretend für den Unmut vieler Anwohner. Und nachdem Baustadtrat Marc Schulte (SPD) versprochen hatte, sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, kann er jetzt zumindest vermelden, dass der Tankstellenbau nicht weiter verfällt. "Es sind Sicherungsmaßnahmen vom Eigentümer getroffen worden", sagt Schulte auf Anfrage. Gründe für die massive Verzögerung kennt er keine: "Wir können auch keinen Investor zwingen zu bauen." Immerhin hat Schulte ergründet, dass es tatsächlich bald losgeht. "Wir rechnen mit einem Baubeginn noch in diesem Jahr."


Thomas Schubert / tsc
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