Denkmalschützer sprechen sich gegen Wohnturm in der Bachstraße aus

Seit 2011 liegt das Grundstück an der Bachstraße brach. (Foto: KEN)

Hansaviertel. Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass der Entwurf des Berliner Architekturbüros Staab für die Bebauung des brachliegenden Grundstücks an der Bachstraße gelungen ist. Doch der Denkmalschutz funkt dazwischen.

Ein langes, erfolgreiches Werkstattverfahren sei abgeschlossen worden mit einem Ergebnis, "das ich mir so nicht erträumt hätte", sagt Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Bevor die Eigentümerin des rund 1,2 Hektar großen Grundstücks an der Spree, die Hilfswerk-Siedlung, in Abstimmung mit dem Bezirk, der Senatsverwaltung, der Architektenkammer und der Akademie der Künste 2012 den Architekturwettbewerb mit zwölf beteiligten Büros auslobte, waren Bezirk, Senatsverwaltung, Eigentümer benachbarter Grundstücke und der Bürgerverein Hansaviertel nach ihrer Meinung befragt worden. Alle stimmten später dem Siegerentwurf mit einem Wohnturm, einer vier- bis fünfgeschossigen Wohnzeile entlang der Bachstraße und einem flachen, zweigeschossigen Verbindungsteil dazwischen zu. Der Entwurf greife die Idee der Bauten der Internationalen Bauausstellung "Interbau" im Jahre 1957 auf und stelle eine Beziehung zur nahen Bahntrasse her.

Umso enttäuschender für alle Beteiligten ist die Stellungnahme des Landesdenkmalamtes zum Bauprojekt. Es lehnt den Architekturentwurf ab. Er könnte ein Weltkulturerbe stören, zitiert daraus Carsten Spallek. Das, was "gestört" werden würde, steht aber noch gar nicht auf der Weltkulturerbeliste: das Hansaviertel, genauer gesagt die Mustersiedlung "Südliches Hansaviertel" zwischen dem Großen Tiergarten und der S-Bahntrasse, ein herausragendes Beispiel für die klassische Moderne und Nachkriegsmoderne, 1953 geplant und im Rahmen der "Interbau" zwischen 1955 und 1960 errichtet.

Frühestens 2017 könnte der Antrag auf Aufnahme gestellt werden, sagt Carsten Spallek. Mit unsicherem Ausgang, wie der Baustadtrat feststellt. Von so viel Hypothetischem hält Carsten Spallek nichts, zudem das Wohnungsbauprojekt nach seiner Ansicht "weit außerhalb" der vorgeschriebenen Bannmeile um ein Weltkulturerbe liege.

Eine Einigung mit dem Landesdenkmalamt hält Carsten Spallek für unwahrscheinlich. Seine Behörde prüft derzeit, ob durch das Veto der Denkmalschützer die weitere Planung an der Bachstraße gestoppt wird oder sie weitergehen kann. 2009 hatte die Hilfswerk-Siedlung das ehemalige evangelische Konsistorium erworben. 2011 wurde das leer stehende Gebäude abgerissen. Das Areal ist seitdem beräumt.


Karen Noetzel / KEN
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