Anita Mächler von Heimatverein und Geschichtswerkstatt Tiergarten über Heimat

Anita Mächler ist Vorsitzende des Heimatvereins und Geschichtswerkstatt Tiergarten. (Foto: pv)

Tiergarten. Wer wüsste besser über den Begriff Heimat Bescheid als ein Verein, der diesen im Namen trägt. Die Berliner-Woche-Reporterin Karen Noetzel sprach mit der Vorsitzenden von „Heimatverein und Geschichtswerkstatt Tiergarten”, Anita Mächler, über Arbeit und Ziele des Vereins und natürlich über Heimat.

Was steht 60 Jahre nach der ersten Idee für ein Heimatmuseum Tiergarten, das 1987 eingerichtet und 2004, nach der Bezirksfusion, wieder geschlossen wurde, auf der Agenda eines Heimatvereins und einer Geschichtswerkstatt?

Anita Mächler: Die Erforschung, die Verbreitung und Vermittlung der Stadtteilgeschichte stehen im Vordergrund unserer Arbeit.

Ein „Heimatverein“ in einer Großstadt, ist das nicht anachronistisch?

Anita Mächler: Nie. Es ist immer bereichernd, sich mit der eigenen Geschichte, mit den Wurzeln seines Lebens zu beschäftigen. Diese Beschäftigung gehört zum menschlichen Leben. Gerade die Großstadt mit ihrer Vielfalt fördert das Interesse für die unmittelbare Umgebung. Im Zeitalter der Globalisierung wächst das Interesse an Regionalisierung. Sie gibt Orientierung.

Was bedeutet für Sie „Heimat“?

Anita Mächler: „Heimat“ ist ganz intensiv verbunden mit Vertrautsein, Sich-geborgen-Fühlen, Sich-Auskennen. Sie ist intensiv spürbar im Kreis der Menschen, die einem nahestehen.

Ist das ein Ort, ein Gefühl, eine Sehnsucht?

Anita Mächler: Das kann in unterschiedlichen Lebenssituationen variieren. Am ehesten ist es wohl ein Gefühl.

Kann Heimat zu einem Ritual erstarren?

Anita Mächler: „Heimat“ kann kein Ritual sein, und schon gar nicht erstarren, weil sie ja neu erlebt und eben nicht empfunden wird. Bei der Frage scheint mir der Gedanke an Vertriebenenverbände mitzuschwingen, der aber in einen anderen Kontext gehört.

Beim aktuellen Flüchtlingszustrom steht Moabit besonders im Fokus. Kann der Heimatverein einen Beitrag zur Integration leisten, den Geflüchteten eine neue Heimat schaffen?

Anita Mächler: Wenn Menschen, die nach Moabit ziehen, nach Tiergarten, ins Hansaviertel dort ein Gefühl von Vertrautheit entwickeln können, sich wohlfühlen, so werden sie „heimisch“ werden. Sie werden wohl zunächst eine Berliner Heimat fühlen, und künftig vielleicht auch einmal Heimatgefühle für Deutschland entwickeln. Auf jeden Fall gibt es immer wieder Zugezogene, die uns ansprechen, um Näheres über ihr neues Wohnumfeld zu erfahren und die gern bei unseren Führungen unsern Bezirk kennenlernen.

Ist Heimat für Sie eine Herzensangelegenheit oder eine Verstandessache?

Anita Mächler: Sofern sich ein Abstraktum wie „Heimat“ überhaupt derart zuordnen lässt, ist es – da überwiegend ein Gefühl – wohl eher im Herzen zu verorten.
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