Entwürfe für Denkmal der ersten homosexuellen Emanzipationsbewegung liegen vor

Die Calla-Lilie symbolisiert die Abkehr vom Geschlechtermodell, das nur männlich und weiblich kennt. (Foto: UdK/LSVD)
 
Der Entwurf "Kratzen" spielt auf die häufigen Fälle von Vandalismus an. (Foto: UdK/LSVD)
Berlin: Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung |

Moabit. Die Entwürfe zum künftigen Denkmal für die weltweit erste homosexuelle Emanzipationsbewegung und ihren Mitinitiator Magnus Hirschfeld sind bunt und blumig und erinnern an großes Spielzeug. Eine Jury muss nun einen Siegerentwurf küren.

Vielleicht entscheidet sich das Preisgericht für „Calla“, sechs übergroße Calla-Lilien aus Kunststoff und Eisen in sechs Farben. Die Calla-Lilie, die botanisch keinem Geschlecht zuzuordnen ist, steht symbolisch für die Abkehr Hirschfelds von einem Geschlechtsmodell, das nur männlich und weiblich kennt.

Zur Auswahl steht auch „Kratzen“, ein gekrümmtes Objekt aus sechs aneinander gefügten Metallstelen, für das augenscheinlich das Luftbrücken-Denkmal Pate stand. Es ist mit schwarzer Farbe überzogen. Passanten können und sollen mit harten Gegenständen, etwa mit Schlüsseln oder Münzen, die schwarze Deckfarbe wegkratzen. Darunter treten dann die sechs Farben der Regenbogenfahne hervor. Der Vandalismus an den beiden Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer wird hier zu etwas Positivem und Kreativem umgekehrt.

Heimliche Treffen

„Spektrum“ heißt ein dritter Entwurf und besteht aus einer lila Stadtleuchte aus der Zeit der Weimarer Republik und einer Beton-Bodenplatte. Nachts wirft der Leuchtkopf mit Prisma die Regenbogenfarben auf Zeilen des „Lila-Liedes“ (1920): „Wir lieben nur die lila Nacht, die schwül ist, weil wir ja anders als die Andern sind.“ Text und Laterne wollen die Schwierigkeiten des homosexuellen Alltags und die bedeutende Rolle der Nacht beschreiben, die heimliche Treffen ermöglicht.

Richtig mitmachen können Passanten bei Entwurf vier. Er zeigt eine sich auftürmende Welle aus sich kreuzenden runden Metallstäben im Edelstahlrahmen. Für „Welle“ kann man sich in Läden, Museen, Galerien oder über das Internet farbige Schilder kaufen, darauf etwas schreiben: Namen, Botschaften, Zeichen oder anderes und die Schilder an der Konstruktion aufhängen. Zuletzt stehen noch die „Zwischenstufen“ zur Wahl, benannt nach der Theorie der „sexuellen Zwischenstufen“, die Hirschfeld 1926 entwickelt hat. Dieser Denkmalentwurf zeigt einen Kreis aus unterschiedlich hohen Betonstufen, in die farbige Metallstreifen eingesetzt sind.

Die Ideen stammen von neun Künstlern der Universität der Künste (UdK) aus Bosnien und Herzegowina, China, Deutschland, Griechenland, Großbritannien und Nepal. Unter Anleitung von Wolfgang Knapp vom UdK-Institut für Kunst im Kontext und in Absprache mit dem Kooperationspartner, dem „Bildungs- und Sozialwerk“ des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, haben die Künstler im Verlauf von zwei Jahren die Denkmalvorschläge erarbeitet.

Sichtbar, erreichbar, kostengünstig

So unterschiedlich sie sind, alle wollen an diese erste Schwulenbewegung erinnern. Für das zu schaffende Denkmal steht am Magnus-Hirschfeld-Ufer eine sechs mal vier Meter große Fläche zur Verfügung. Das Denkmal muss wetterfest und aus umweltschonenden Materialien sein, dazu gut sichtbar und erreichbar, kostengünstig in der Wartung und auf ein internationales Publikum ausgerichtet. Über Jahre hat der Initiator des Denkmals, der Lesben- und Schwulenverband, Spenden gesammelt. Die Lotto-Stiftung Berlin wird das Vorhaben mit finanzieren. KEN
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