Kulturloge will auch Menschen mit Behinderung vermitteln

Die Gäste der Kulturloge mit Behinderung gingen 2013 am liebsten ins Kino. (Foto: KEN)

Hansaviertel. Seit vier Jahren vermittelt die "Kulturloge Berlin" Menschen mit geringem Einkommen nicht verkaufte Eintrittskarten zu Konzerten, Theateraufführungen, Ausstellungen und vielem mehr. Ein weiteres wichtiges Ziel der Initiative des Stadtteilvereins Tiergarten in der Kluckstraße 11 ist es, auch Menschen mit Behinderung am kulturellen Leben teilhaben zu lassen.

Auf ihrer Jahrespressekonferenz am 11. April im Grips-Theater stellte die Kulturloge das Ergebnis einer ersten Befragung von Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am Kulturleben in der Stadt vor. Wie die bisherigen Erfahrungen belegten, sei eine Teilhabe am kulturellen Leben für viele Menschen ein Grundbedürfnis und ein Gradmesser der Lebensqualität, sagte Max Fuchs, Pädagoge an der Universität Duisburg-Essen und Botschafter der Kulturloge.

Im September 2012 habe die Kulturloge mit Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes das Pilotprojekt "Kultur für alle! - Kulturelle Inklusion" auf den Weg gebracht, das geistig und/oder körperlich Behinderten den selbstständigen Besuch von kulturellen Veranstaltungen ermöglichen soll, berichtete Kulturloge-Geschäftsführerin Angela Meyenburg. Im vergangenen Jahr wurde eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesverband der Arbeiterwohlfahrt begründet.

Dieses Projekt wurde nun im vergangenen Jahr von Studierenden der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin unter Leitung der Professorin Monika Seifert wissenschaftlich untersucht. 83 Prozent der Befragten hatten vor der Anmeldung bei der Kulturloge selten oder noch nie eine Kulturveranstaltung besucht. Ebenso viele möchten gerne öfter als bisher zu Veranstaltungen gehen. Häufig sind die Menschen von anderen abhängig oder ihnen fehlen Informationen über die Kulturangebote. Oder der Veranstaltungsort ist schwer erreichbar oder nicht barrierefrei. Häufig fehlt es den Veranstaltern auch an der Bereitschaft, auf die besonderen Bedürfnisse der behinderten Menschen einzugehen, etwa der Blindenschrift.

62 Prozent nehmen dank der Kulturloge, deren Mitarbeiter in die Betreuungseinrichtungen gehen, inzwischen häufiger an Kulturveranstaltungen teil. Bei nahezu drei Vierteln der Befragten steht ein Kinobesuch ganz oben auf der Beliebtheitsskala, gefolgt von Theateraufführungen (61 Prozent) und Rock- und Popkonzerten (55 Prozent). Recht beliebt sind auch Ausstellungs- und Museumsbesuche (46 Prozent), klassische Konzerte und Opernvorstellungen (37 Prozent). 80 Prozent finden die kostenlose "zweite Karte" gut. Die meisten laden ihre Freunde ein. Weniger häufig werden Betreuer, Familienangehörige oder Leute aus der Wohngemeinschaft mitgenommen.

Die Kulturloge hatte im vergangenen Jahr 300 Kulturpartner, 130 Sozialpartner und 7200 registrierte Gäste, davon 2000 Kinder (2012: 6000, davon 1000 Kinder). 32 000 Karten konnten vermittelt werden (2012: 23 000). Für die Kulturloge arbeiten 69 Ehrenamtliche.



Die Kulturloge präsentiert sich am 17. Mai im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Sie ist am 14. und 15. Juni bei "Crowd Out - Eine Komposition für 1000 Stimmen" auf der Piazzetta am Kulturforum dabei und veranstaltet am 23. August ihr viertes Kindersommerfest. Wer sich als Gast der Kulturloge anmelden möchte, kann dies unter 262 72 13 tun.

Karen Noetzel / KEN
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