Um Leben und Glück betrogen

Die Einladungskarte zur Stolpersteinverlegung zeigt ein Foto von Hans und Ruth-Judith Goslar aus glücklichen Tagen. (Foto: Privatbesitz / Anne Frank Zentrum Berlin)
Berlin: In den Zelten |

Tiergarten. Bewegende Momente im Schatten des Bundeskanzleramtes. Im Beisein von Familienangehörigen aus drei Generationen wurden Stolpersteine für Ruth-Judith und Hans Goslar verlegt.

Hans Goslar arbeitete als Pressechef im Preußischen Innenministerium, floh 1934 nach Amsterdam, wo er ein Beratungsbüro zur Rettung von Juden aus Deutschland eröffnete, und wurde 1944 im KZ Bergen-Belsen Opfer des Holocaust. Seine Frau Ruth-Judith war zuvor in den besetzten Niederlanden bei der Geburt des dritten Kindes verstorben. Nur die Töchter Rahel und Hannah, eine Freundin Anne Franks, überlebten die Lager. Sie wurden im April 1945 aus dem sogenannten Verlorenen Zug in der Nähe des brandenburgischen Tröbitz befreit, der von Bergen-Belsen aus zehn Tage lang an der Frontlinie entlang, durch die Reste des Deutschen Reiches geirrt war.

Der letzte Wohnort der Familie in Berlin war In den Zelten 21a in Tiergarten, heute Paul-Löbe-Allee / Große Querallee.
Zur Stolpersteinverlegung durch den Künstler Gunter Demnig waren die 1940 geborene Rahel Moses, die Bergen-Belsen überlebt hat, ihre Nichte Ruth Meir und deren Tochter Tal Meir aus Israel angereist. Für Rahel Moses war es schwierig, nach Berlin und überhaupt nach Deutschland zu kommen.
Den feierlichen Akt begleiteten Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier, die Botschafterin der Niederlande in Berlin, Monique van Daalen, Patrick Siegele, Direktor des Anne Frank Zentrums Berlin, sowie eine internationale Delegation des Auswärtigen Amtes.
Das besondere Projekt dieser Stolpersteinverlegung wurde vom Anne Frank Zentrum initiiert. Patrick Siegele dankte Rahel Moses für „den Mut, heute hier zu sein“, in der Stadt und in dem Land, die dafür verantwortlich sind, dass sie ihre Eltern so früh verloren habe.

Hans Goslar und seine Frau Ruth-Judith seien betrogen worden um ihr Leben und ihr Glück wie so viele Millionen Menschen in Europa und weltweit, die Opfer des Nationalsozialismus geworden seien, sagte Peter Altmaier. „Unsere Aufgabe besteht darin, dass es nicht vergessen wird.“
Das Beispiel der Goslars zeige, wie wichtig es sei, verfolgten Menschen zu helfen und Gastrecht zu gewähren. Wirtschaftliche und innenpolitische Probleme eines Landes dürften niemals auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die Hilfe benötigten, sagte Botschafterin van Daalen.

Rahel Moses dankte für die Einladung zur Gedenkfeier. Leider könne sie sich nicht an ihre Eltern erinnern. Sie sei noch so klein gewesen, als sie starben. Doch die Erinnerung an sie begleite die Familie an jedem Tag; www.annefrank.de

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Heide Kramer aus Hansaviertel | 13.06.2015 | 12:55  
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