SPD fordert mehr Sensibilität im Hansaviertel

Muster im Wegebelag wie hier am Hansaplatz sollen künftig besser geschützt werden. Das fordert jetzt die SPD. (Foto: Liptau)

Hansaviertel. Rund um den Hansaplatz ist alles wichtig. Sogar die Art der Gehwegpflasterung steht für die Besonderheit der bis 1957 erbauten "Stadt von morgen". Die Fraktion der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) will die Beläge künftig besser schützen lassen.

"Durch Tiefbauarbeiten", beklagt der SPD-Verordnete Axel Vierhufe in seinem Antrag, "wurden die historischen Beläge teils entfernt und durch Platten mit anderen Formaten, teils anders angeordnet, ersetzt." Dabei komme gerade auch durch die Gestaltung der Wege die Besonderheit des Hansaviertels zum Tragen: die Verbindung von Großstadt und Grün, von der 50er-Jahre-Bebauung und dem Tiergarten. Die Wege sind zwar mit den klassischen Berliner Materialien, Betonplatten und Kleinpflastersteinen belegt, doch Anordnung und Farbigkeit unterscheiden sich deutlich von anderen Kiezen in der Stadt. Dort, wo die häufig stark vernachlässigten Wege nicht bereits von Gras und Moos überwuchert sind, wird besonders an den Wegstrecken nahe dem Tiergarten das allmähliche "Fließen" der Wege in die Grünanlage deutlich. In den eher urbanen Bereichen wie beispielsweise am Hansaplatz sorgt die außergewöhnliche Gestaltung für die Rhythmisierung und Dynamisierung des Straßenlands. Den großen Teil der Frei- und Grünflächen im neuen Hansaviertel hat in den 50er-Jahren die berühmte Gartenarchitektin Herta Hammerbacher entworfen. Die Gestaltung der Außenräume gehörte zum Gesamtkonzept der 1957 abgehaltenen Internationalen Bauausstellung, für die das Viertel errichtet worden war. Während die Akzeptanz und Wertschätzung für die dortigen Hochbauten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, wird der gärtnerischen Gestaltung bis heute vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. Entsprechend sehen die meisten Freiflächen im Hansaviertel aus.

Damit zumindest der heutige Zustand weiter erhalten bleibt, soll der SPD-Antrag nun vor allem für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Denn die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes nach Tiefbauarbeiten führe, so Vierhufe, "nicht zwangsläufig zu höheren Kosten". Das Problem liege offenbar hauptsächlich darin, dass den ausführenden Firmen der Wert des Flächendenkmals Hansaviertel nicht bewusst sei. Zukünftig sollen entsprechende Firmen vor Ausführung der Arbeiten "auf den besonderen Denkmalwert der historischen Gehwegbeläge, die Sicherung und Wiederverwendung der originalen Materialien und gegebenenfalls Wiederherstellung nach Rücksprache mit dem Denkmalamt" hingewiesen werden. Außerdem soll das Bezirksamt die erhaltenen historischen Beläge "in Hinblick auf Störung des historischen Gesamtbildes hin" erfassen und die Verursacher nach Möglichkeit in Haftung nehmen.

Vierhufe argumentiert in diesem Zusammenhang mit der Nominierung von Hansaviertel und früherer Stalinallee in die Weltkulturerbeliste der Unesco. Auch für deren Gelingen solle der Bezirk "im Rahmen seiner Zuständigkeit den Erhalt, die Dokumentation und Wiederherstellung der historischen Beläge unterstützen". Der Antrag wird voraussichtlich am 21. Februar in der BVV behandelt.


Ralf Liptau / flip
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