Ausstellung zur Märzrevolution 1848 mit historischer Fahne im Rathaus

Die Fahne von 1848 ist Grundlage des Ausstellungsplakats. Repro: Christian Schindler
 
Politischer Alltag des 19. Jahrhunderts in Spandau: Termin-Ankündigungen im Spandauer Intelligenz-Blatt. Repro: Christian Schindler
Berlin: Rathaus Spandau |

Spandau. Eine deutsche Fahne aus dem Jahr 1848 ist Mittelpunkt der Ausstellung "Die Revolution von 1848 in Spandau" in der Säulenhalle des Rathauses, Carl-Schurz-Straße 2/6.

Sie stammt aus dem Familienbesitz einer sehr bekannten Familie. Die schwarz-rot-goldene Fahne, die noch mit einem Doppeladler versehen ist, hing immer im Büro des 2004 verstorbenen FDP-Politikers Dr. Günter Rexrodt. Der Bundestagsabgeordnete, der von 1993 bis 1998 Bundeswirtschaftsminister war, hatte sie von seinem Vater Dr. Wilhelm Rexrodt geerbt, der von 1927 bis 1932 Generalsekretär der Deutschen Staatspartei war, Nachfolgerin der Deutschen Demokratischen Partei.

Als 1933 die Nationalsozialisten andere Parteien verboten, übernahmen viele Funktionäre Parteigegenstände in Privatbesitz, um sie vor dem Zugriff der Diktatur zu retten. So auch die Fahne. Die hing ursprünglich 1848 in der Wiener Winterreitschule, wo der "Constituierende Reichstag" sich versammelte. Wie die Fahne nach Deutschland und dort in den Besitz der (Links-) Liberalen Partei kam, liegt im Dunkeln. Eine Spekulation ist, dass sie mit der Leiche des 1848 in Wien hingerichteten deutschen Politikers Robert Blum nach Deutschland gekommen ist.

Die von der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau organisierte Ausstellung gibt mit Dokumenten, Bildern und Exponaten wie einem Säbel einen Eindruck vom Frühjahr 1848, das auch in der Zitadellenstadt für Aufruhr sorgte - allerdings nicht unbedingt für die Revolution mit ihren Forderungen nach parlamentarischer Demokratie und Meinungsfreiheit. Als rund 570 Teilnehmer des demokratischen Aufstands in Berlin vom 18. März als Gefangene zur Zitadelle geführt wurden, wurden diese von zahlreichen Spandauern unflätig beschimpft.

Gleichwohl gab es auch in der Zitadellenstadt prominente Befürworter einer parlamentarischen Demokratie wie den Juristen Eduard Zimmermann, der 1839 Bürgermeister geworden war. Der wurde später wegen Hochverrats angeklagt und floh nach England, von wo er erst 1870 zurückkehrte. In der Ausstellung wird natürlich auch an den demokratischen Publizisten Gottfried Kinkel erinnert, der von seinem Freund Carl Schurz 1850 aus dem Spandauer Zuchthaus befreit wurde.

Die Heimatkundliche Vereinigung Spandau beging die Ausstellungseröffnung am 26. März auch als Feier ihres 61-jährigen Bestehens im Bürgersaal des Rathauses. Der 60. Geburtstag hatte dort 2014 nicht groß gefeiert werden können, weil der Bürgersaal wegen der Vorbereitung zur Europawahl blockiert war. Im Rahmen der Feier ehrte der Vorsitzende der Heimatkundler, Karl-Heinz Bannasch, die Historiker Felix Escher und Winfried Schich sowie den Publizisten Jürgen Grothe für ihre Forschungen zur Spandauer Geschichte. Der 88-jährige Walfried Ernst, der zu den Gründungsmitgliedern der Heimatkundlichen Vereinigung Spandaus gehört, wurde dabei zum zweiten Mal zum Ehrenmitglied ernannt.

Die Ausstellung "Die Revolution von 1848" ist noch bis zum 30. April montags bis freitags bei freiem Eintritt in der Säulenhalle des Rathauses, Carl-Schurz-Straße 2/6, zu sehen.

Christian Schindler / CS
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