Bei "Kino, Baby!" störte sich niemand am Kinder-Gebrabbel

Ungewohntes Bild im gut gefüllten Kinosaal des Kulturhauses: Eltern mit ihren Kleinkindern bei der Vorstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kino, Baby!". (Foto: privat)
Berlin: Kulturhaus Spandau |

Spandau. Offenbar hat das Kino im Kulturhaus an der Mauerstraße 6 mit der im Januar gestarteten Veranstaltungsreihe "Kino, Baby!" mitten ins Schwarze getroffen. Denn schon bei der zweiten Kinovorstellung am 9. Februar war es mit 36 Eltern und 17 Babys gut gefüllt. Die amüsierten sich bei der Vorführung von Söhnke Wortmanns Komödie "Frau Müller muss weg!" köstlich.

"Während die Eltern durch den Film eine erste Vorahnung davon bekamen, was mit dem Schuleintritt ihrer Kinder demnächst auf sie zukommt, verbrachte ihr Nachwuchs den Vormittag mit Turnübungen auf der Kinobühne, ersten Krabbelversuchen und eifriger Kontaktaufnahme untereinander", sagt Julia Colm, Sprecherin des Spandauer Veranstalters "Mikropolis-Film". Dabei habe die Lautstärke zwischen sanftem Gebrabbel und lautstarken Zwischenrufen geschwankt.

Genau hierin liegt das Besondere der Veranstaltungsreihe für Eltern mit Kleinkindern, denen sonst ein Kinobesuch mit Nachwuchs verwehrt bliebe. Beim "Kino, Baby!" laufen Filme aus dem aktuellen Spielplan im "Babymodus" mit verminderter Lautstärke und bei sanftem Licht. Es darf gestillt, gekrabbelt und gebrabbelt werden. Und niemand stört sich daran. Im Gegenteil. Zwei Mütter brachten das nach Filmende auf den Punkt. Sie hätten mit ihren Kindern während des Films spielen und reden können, ohne dass sie gleich von überall her böse Blicke getroffen hätten.

Vom Trubel ließ sich auch Lilly-Lynn gar nicht ablenken. Knapp drei Wochen alt war sie die jüngste Cineastin. Sie schlief während des gesamten Films tief und fest. Ihre Eltern Riccardo und Michaela waren denn auch "von der relaxten Atmosphäre im Kino total begeistert". Von der Idee des Babykinos zeigte sich auch ein Vater begeistert. "Das fühlt sich an wie in alten Zeiten, nur eben mit Kind", sagte er.

Wie in "alten, babylosen Zeiten" fühlte sich offenbar auch ein junger Vater, der mit seinem Baby extra aus Neukölln angereist war. Beim Kauf der Kinokarte bestellte er nach kurzem Zögern auch noch ein Bier - natürlich alkoholfrei. Dabei musste er selbst lachen und entschuldigte sich förmlich: "Nur, damit es sich noch mehr wie richtiges Kino anfühlt."

Nächster Termin für das Babykino im Kulturhaus ist der 9. März. Um 10.30 Uhr ist dann die Tragikomödie von Til Schweiger "Honig im Kopf" zu sehen. "Die Geschichte um ein kleines Mädchen, das ihren an Alzheimer erkrankten Großvater auf eine letzte große Reise entführt, passt in unser Konzept, Filme mit einem deutlichen Familienbezug zu präsentieren", sagt Colm.

Michael Uhde / Ud
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