Slawisches Heiligtum im Rathaus: Doppelausstellung in Spandau und Wustrau

Einer der beiden Pferdeschädel mit Hirschgeweih, die am Eingang zur Ausstellung hängen. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Rathaus Spandau |

Spandau. In einer Doppelausstellung spürt die Heimatkundliche Vereinigung Spandau zusammen mit dem Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau der slawischen und polnischen Geschichte der Mark Brandenburg nach.

Wer zum Schatz will, muss das Heiligtum betreten. Erstmals überhaupt in einer Ausstellung wird ein kleiner Teil des Lebuser Münzschatzes in der Säulenhalle des Rathauses gezeigt. 2015 waren die rund 2500 Münzen aus slawischer Zeit gefunden worden, jetzt harren sie der wissenschaftlichen Auswertung.

Eines steht jetzt schon fest: Sie sind ein weiterer Teil des Bildes, das sich Archäologen und Historiker von den Slawen im Raum Brandenburg bisher gemacht haben. Sie waren eine hoch entwickelte Gesellschaft, mit Handelsbeziehungen in die gesamte damals bekannte Welt.

Gleichwohl bleiben Geheimnisse: Kuratorin Agnes-Allmuth Griesbach und der Vorsitzender der Heimatkundler, Karl-Heinz Bannasch, haben die sechs Vitrinen quasi zu einem Heiligtum gemacht, wie es in slawischen Siedlungen zu finden war: Über dem Eingang hängen zwei Pferdeschädel, die jeweils ein Hirschgeweih tragen. Die Schädel sind ein Imitat, aber von echten Tieren, immerhin hat sich der Leiter des Brandenburg-Preußen-Museums, Dr. Stephan Theilig, die Mühe gemacht, die Knochen zwecks Inszenierung auszukochen. Neben dem völlig neuen Fund aus Lebus ist auch Altbekanntes zu sehen, wie das winzige Spandau-Kreuz aus der Zeit der Christianisierung, gefunden am Spandauer Burgwall.

"Vielvölkerland" Brandenburg

Unter dem Titel „Germania Slavica“ knüpft die Ausstellung nicht nur an einen in den 1970er Jahren entwickelten Forschungsbegriff an, sondern zeigt dessen Gegenstand konkret: Zeugnisse des Alltags, aber auch der weltweiten Beziehung. So wie im Berliner Raum Slawen und Germanen offenbar eher miteinander und nebeneinander als gegeneinander lebten, erweitert der zweite Teil des Projektes „Polen und Preußen“ in Wustrau den Blick auf Brandenburg als eine Region, in der viele Völker aufeinander trafen und zumeist vom Miteinander profitierten.

Dort ist ein Teil auch der Kommunikation gewidmet: Lange war es in vornehmen deutschen Familien sehr wichtig, polnisch zu lernen.

Die Ausstellung „Germania Slavica“ ist noch bis zum 14. Juli montags bis freitags bei freiem Eintritt von 8 bis 18 Uhr im Rathaus, Carl-Schurz-Straße 2/6, zu sehen. Das Begleitheft kostet zehn Euro. Die Schau „Polen und Preußen“ im Brandenburg-Preußen-Museum, Eichenallee 7a, 16818 Wustrau, ist bis zum 28. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt zwei Euro. Der Katalog kostet 15 Euro. CS
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