Wo Mars seine Venus trifft: Verschollenes Gemälde jetzt restauriert auf der Zitadelle

Ute Seiler mit „Mars und Venus“. Drei Monate lang restaurierte sie das Gemälde. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Endlich in der Kunstsammlung: Andrea Theissen und Christian Melzer mit dem Gemälde. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Spandauer Zitadelle |

Haselhorst. Über 40 Jahre war es verschwunden. Jetzt stellt die Spandauer Kunstsammlung das Gemälde „Mars und Venus“ von Johann R. Byß dem Publikum vor. Dank einer Spende konnte es restauriert werden.

Die ganz große Sensation war es nicht. Denn entdeckt wurde das Gemälde „Mars und Venus“ schon vor vier Jahren. Es verstaubte in einem Keller im Gewölbe der Zitadelle hinter einem Schrank. Stark beschädigt war es, aber für die Spandauer ein außerordentlicher Fund. Rund 300 Jahre ist es alt, gemalt um 1720 vom Schweizer Freskenmaler und späteren Hofmaler der Schönborns, Johann Rudolf Byß. Restauriert hat es Diplom-Restauratorin Ute Seiler, die ihre Werkstatt im Künstlerhaus auf der Zitadelle hat.

Möglich machte die Restaurierung die Spende eines großzügigen Spandauers, der inklusive der Summe aber anonym bleiben will. Bereits vor zwei Jahren hatten die Spandauer nach einem Mäzen gesucht. Mehr als 900 Euro kamen damals aber nicht zusammen und so musste das Gemälde weiter warten. Jetzt aber sei es vollbracht, sagte Museums- und Kunstamtsleiterin Andrea Theissen. „Wir sind stolz, dieses wertvolle Werk eines großen Barock-Künstlers hier in der Kunstsammlung zu haben und einem breiten Publikum vorstellen zu können.“

Drei Monate nur brauchte Ute Seiler, um das historische Ölbild zu retten. Dafür arbeitete sie allerdings an einem Stück durch. „Das Restaurieren war durchaus eine Herausforderung“, sagte die Expertin und meinte damit nicht die dicke Staubschicht oder die Risse. Vielmehr hatten sich frühere Restauratoren an dem Gemälde nicht besonders sorgfältig versucht. Was aber wiederum im Jahr 1949 schwerer war als heute. Trotzdem: Das Bild wurde offenbar etwas zu großzügig gekittet, Risse übermalt und ein schadhafter Streifen Leinwand einfach herausgeschnitten und neu eingesetzt. „Heute ist das ein absolutes Tabu“, so die Restauratorin. Ihr Hauptproblem aber war die blättrige Farbe. Die musste mit speziellen Bindemitteln erst wieder „angebügelt“, also befestigt werden. Gleichzeitig versuchte Ute Seiler dem alten Firnis des Bildes möglichst schonend zu Leibe zu rücken. Um ihre Werke vor Schmutz und Verfall zu bewahren, tünchten alte Meister ihre Bilder oft mit Leinöl als Schutzschicht, dem Firnis. Weil der aber mitaltert, wird der Blick aufs Gemälde irgendwann trübe. Die Ölfarben verlieren ihre Tiefe, Leuchtkraft und Glanz – so auch bei „Mars und Venus“. Also trug Ute Seiler zum Abschluss einen neuen Firnis aus Dammerharz aus. „Der spannt nicht so wie Kunstharz oder Lack und verleiht dem Barock-Gemälde seinen typischen Glanz.“

Was man sonst noch über das Gemälde wissen muss, erläuterte Christian Melzer, zuständig für die Spandauer Kunstsammlung. 1948 wurde es dem Bezirksamt Spandau von der Britischen Militäradministration übergeben. Kunstgutachter hielten es damals schon für wertvoll und empfahlen eine Restaurierung. 1949 erhielt dann ein Restaurator aus Gatow den Auftrag dafür. Seinen Platz fand es danach im Sitzungssaal des Rathauses. 1969 hätte das Ölgemälde erneut in die Werkstatt gemusst. Doch es verschwand und blieb verschollen bis vor vier Jahren. „Als wir es dann wiederfanden, recherchierten wir zunächst, ob es wirklich dem Bezirk Spandau gehört“, so Christian Melzer. Was sich bestätigte, denn es gab keine Vermisstenmeldung. Unrestauriert wurde der Wert des Gemäldes auf etwa 25.000 Euro geschätzt.

Zu bewundern sind „Mars und Venus“ noch bis zum 17. April in der Ausstellung „Aus der Spandauer Kunstsammlung“. Ort ist die Bastion Kronprinz auf der Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 64. Die Öffnungszeiten sind montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, ermäßigt 2,50. uk
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