Ausstellung zeigt Werke eher unbekannter Künstler

Aus den 1940er-Jahren stammt dieses Ölgemälde von Hermann Poll: "S. Angelo, Ischia". (Foto: Repros: Christian Schindler)

Haselhorst. Mit der Ausstellung "Begegnungen in Arkadien" sind auf der Zitadelle vier Maler vertreten, die die westdeutsche Moderne stark beeinflussten und dennoch eher unbekannt blieben.

Die Farben sind gedeckt, die Formen oft geometrisch. Die Gemälde, die von Eduard Bargheer, Werner Gilles, Hermann Poll und Max Peiffer Watenphul noch bis zum 2. Februar in der Bastion Kronprinz der Zitadelle versammelt sind, stehen stilistisch oft an Grenzen. Die Landschaftsdarstellungen und Stillleben sind noch gegenständlich, aber längst weit weg vom Akademiestil, wie er noch zur Kaiserzeit als offizieller Geschmack galt. Und sie sind auch noch nicht richtig modern. Die Farben werden nicht grell, die Formen explodieren nicht, wie in den expressionistischen Arbeiten, die bald nach der vorvergangenen Jahrhundertwende aggressiv mit der Tradition brachen. Diese vier Künstler gingen ihre eigenen Wege - und das jeder für sich.

Im Untertitel heißt die Ausstellung "Maler auf Ischia um 1950", aber die örtliche Gemeinsamkeit begann viel früher. Schon in den 1930er-Jahren hatten sie die größte Insel im Golf von Neapel für sich entdeckt, Max Peiffer Watenphul war schon in den 1920er-Jahren in Italien unterwegs.

"Man kannte sich, aber man arbeitete nicht zusammen", beschreibt Ausstellungskurator Jürgen Schilling die Gruppe, die eigentlich keine war. Man schätzte das südliche Licht und die zumindest teilweise vorhandene Abgeschiedenheit, auch wenn eine Italien-Reise für Bildungsbürger insbesondere aus Deutschland und England schon im 19. Jahrhundert selbstverständlich war. Doch im Atelier arbeitete jeder für sich allein.

Das Leben in Italien wurde fast nebenbei auch zu einer Art Exil. Man verpasste die großen ideologischen Auseinandersetzungen, musste sich nicht direkt mit dem aufkommenden Nationalsozialismus auseinandersetzen. Dabei war das Leben in der Ferne kein Widerstand: Bargheer, Gilles und Poll leisteten Kriegsdienst in der Wehrmacht, Watenphul lebte zeitweise in Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben sie zumindest Saisonweise ihrer Insel verbunden. Und sie blieben Außenseiter: Sie lieferten dem Wirtschaftswunderland Bundesrepublik Deutschland für seine wachsende "Urlaubs-Italien-Begeisterung" nicht die Katalogbilder heller Strände vor tiefblauem Meer, sondern eher vorsichtiges weiteres Nachdenken über das Verhältnis von Farbe und Form. Dem auf absolute Abstraktion setzenden Nachkriegskunstmarkt waren sie nicht modern genug. So zeigt die Schau vier große Maler, die selten im Mittelpunkt standen.

Die Ausstellung "Begegnungen in Arkadien", die in Zusammenarbeit mit der Kunststiftung Poll realisiert wurde, ist noch bis zum 2. Februar täglich (auch feiertags) von 10 bis 17 Uhr in der Bastion Kronprinz der Zitadelle zu sehen. Der Eintritt kostet den üblichen Zitadellen-Eintritt von 4,50, ermäßigt 2,50 Euro. Der Katalog kostet 25 Euro.

Christian Schindler / CS
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