Neues Buch über Haselhorster Siedlung erschienen

Das ehemalige Zentralwaschhaus in der Kanalstraße gehört zur Reichsforschungssiedlung. (Foto: Christian Schindler)

Haselhorst. Zum Abschluss der zehn Jahre dauernden Sanierung der Reichsforschungssiedlung in Haselhorst hat die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag den Band "Moderne Baukunst in Haselhorst" herausgegeben.

Die Siedlung mit insgesamt rund 4000 Wohnungen entstand in den 1930er-Jahren. Neue Formen des Großsiedlungsbaus sollten erprobt werden. Sie wurde entwickelt nach Überlegungen von Architekten, Stadtplanern und Politikern. Diese kamen dafür in der 1927 gegründeten "Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen" zusammen. Sie alle hatten das Ziel, erschwingliche, aber zugleich praktische Wohnungen nach dem neuesten Stand der Technik zu schaffen.

Die Entwicklung dieses neuen Wohnungsbaus verlief jedoch nicht geradlinig. Als im August 1931 die ersten Wohnungen der Reichsforschungssiedlung bezogen wurden, gab es die Reichsforschungsgesellschaft schon gar nicht mehr. Interne Streitigkeiten und politische Auseinandersetzungen bis hin zum Vorwurf, Steuergeld zu verschwenden, hatten der Institution den Garaus gemacht. Die Gewobag übernahm bald, und blieb bis heute die bestimmende Wohnungsbaugesellschaft.

Trotz der Anfangsschwierigkeiten wurde in Haselhorst Architekturgeschichte geschrieben. Bauhaus-Gründer Walter Gropius lieferte den ersten Entwurf der Siedlung, zu den Architekten zählte unter anderem das Büro Mebes & Emmerich, das mit der sogenannten Flusspferdhofsiedlung in Hohenschönhausen Vergleichbares schuf.

Autor Michael Bienert verschweigt auch nicht die dunklen Seiten der Haselhorster Geschichte. Zur Einweihung der 1934/1935 errichteten Weihnachtskirche wehten Hakenkreuzfahnen, erst 1954 erhielt der Turm ein Kreuz. Der jüdische Architekt Fred Forbát, der einen der großen Blöcke zwischen Haselhorster Damm 1-25, Burscheider Weg 11-61, Daumstraße 2-10 und Gartenfelder Straße 106-140 baute, musste Deutschland verlassen. Nach dem Exil in der Sowjetunion und in Schweden arbeitete er nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Deutschland.

Zugleich erinnert das Buch auch an geänderte Alltagsgewohnheiten. Im Zuge der Siedlung erbaute der Architekt Otto Bartning in den Jahren 1931 bis 1936 das Zentralwaschhaus in der Haselhorster Kanalstraße 4-6. Dies erfüllte seine Funktion auch für Wohnhäuser der Gewobag in Tegel-Süd. Ebenso wie in Haselhorst errichtete die Gesellschaft dort Wohngebäude in langen Reihen, die sicherstellen sollten, dass alle Bewohner ausgiebig mit frischer Luft und Sonne versorgt wurden.

Von dem Zentralwaschhaus aus in Haselhorst wurden auch Mieter in Tegel versorgt. Die Wäsche wurde sogar von betriebseigenen Lastwagen transportiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte dieses System jedoch keine Zukunft mehr. Im beginnenden Wirtschaftswunder schafften sich immer mehr Haushalte eigene Waschmaschinen an, sodass der Service des Zentralwaschhauses überflüssig wurde. Seit den 1990er-Jahren wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude als Bürohaus genutzt.

Das Buch "Moderne Baukunst in Haselhorst" ist im Berlinstory-Verlag erschienen. Es hat 146 reich bebilderte Seiten und kostet 19,80 Euro (ISBN 978-3-86368-106-7).

Christian Schindler / CS
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