Ein halber Liter Leben: Das Deutsche Rote Kreuz zapft regelmäßig Blut für alle Fälle

Roter Saft für alle Fälle: Feli Brüggemann hat bei Tibor Neubrandt die Nadel angesetzt. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Einen halben Liter Blut zapft Feli Brüggemann jedem Spender ab. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Rathaus Spandau |

Es ist ein ganz besonderer Saft, den das DRK regelmäßig zapft. Ein halber Liter kann bereits drei Leben retten. Wer Blut spendet, hilft aber auch sich selbst.

Ruth Schiemann kommt seit Jahren schon und lässt sich Blut abzapfen. Weil auch das Leben ihrer fünf Enkelkinder einmal davon abhängen könnte, dass sie Blutkonserven bekommen. „Darum spende ich“, sagt Schiemann. 66 Jahre alt ist sie und spendet heute das 66. Mal.

Damit ist die Spandauerin nicht allein, wie ein Besuch im Blutentnahmemobil des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost zeigt. Jeden ersten Dienstag im Monat steht das Mobil vor dem Rathaus Spandau. Drinnen herrscht eine fast familiäre Stimmung, denn die Mitarbeiter und viele Spender kennen sich seit Jahren. Neulinge werden freundlich begrüßt, dann aber auf Herz und Nieren geprüft, ob sie als Spender infrage kommen. Manch einer erfährt erst hier, dass er zu hohen Blutdruck hat oder seine Leberwerte grenzwertig sind. Das Blut der meisten aber ist topfit.

„Standardmäßig wird jedem Spender ein halber Liter entnommen. Der allein kann schon drei Leben retten“, sagt Melanie Bokowski, Referentin beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Jede Blutspende wird einer aufwendigen Diagnostik unterzogen und auf spezielle Viren und Bakterien geprüft: HIV, Hepatitis, Syphilis. Für den Spender selbst ist die Spende gesund, weil sie die eigene Blutbildung anregt.

Im Entnahmemobil ist es inzwischen richtig voll und das DRK-Team hat alle Hände voll zu tun. Jörg Weber übernimmt die Anmeldung und misst zunächst den Hämoglobin-Wert im Blut des Spendenwilligen. Dafür reicht ein winziger Tropfen aus der Fingerkuppe. Arzt Paul Bovolet prüft zusätzlich Puls und Blutdruck und bespricht die Werte und den Fragebogen mit dem Spender. Ist alles in Ordnung, übernimmt Krankenschwester Feli Brüggemann. Sie setzt die Punktionsnadel an und entnimmt dem Spender innerhalb der nächsten fünf bis acht Minuten 500 Milliliter Blut. Der rote Saft fließt in ein geschlossenes Beutelsystem und wird bis zum Abtransport auf Butanplatten gekühlt. Drei verschiedene Präparate lassen sich später im Labor aus dem Blut gewinnen: Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Plasma und Thrombozyten (Blutplättchen). So kann mit einer Blutspende bis zu drei Patienten geholfen werden.

Auf der Liege hat gerade Tibor Neubrandt die Nadel im Arm. Er kann kein Blut sehen, bleibt aber tapfer, als es aus ihm herausfließt. „Ich spende heute das 27. Mal“, sagt der 67-Jährige. „Aus Dankbarkeit, weil meine Frau und Tochter an Krebs erkrankt waren und Blutspenden brauchten.“ Das will er jetzt zurückgeben. Nach fünf Minuten und 15 Sekunden hat es der Spandauer geschafft. Der Beutel ist voll. Jetzt heißt es auftanken. Hierzu hat Ehrenamtlerin Monika Strauß hinten im Mobil einen schmackhaften Imbiss mit Kaffee und Saft vorbereitet.

950 Liter Blut werden am Tag gebraucht

Am Ende haben mehr als 40 Spandauer Blut gespendet. Während sie danach ihren normalen Tagesablauf fortsetzen, geht für den DRK-Blutspendedienst die Arbeit weiter. Noch in der Nacht und am nächsten Morgen – also innerhalb von 24 Stunden – wird das Blut bei zahlreichen Laboruntersuchungen in Instituten für Transfusionsmedizin getestet, aufbereitet und haltbar gemacht. „Sollte dabei ein auffälliger Befund festgestellt werden, wird der Spender von uns sofort informiert“, sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost. Allein in dieser Region – mit Berlin und Brandenburg – werden täglich rund 1900 Blutkonserven in Kliniken und Praxen benötigt. Das sind 950 Liter Blut. Gebraucht wird es nicht nur für Schwerverletzte. Auch bei Krebs- und Herzerkrankungen, Blutarmut, Lebererkrankungen, Komplikationen bei Geburten oder Knochenkrankheiten kommen Blut und Blutpräparate zum Einsatz. Weil Blutpräparate nur eine begrenzte Anzahl von Tagen haltbar sind, braucht es viele Spender. Denn in Ferienzeiten oder Monaten mit vielen Feiertagen müssen eventuelle Versorgungslücken vermieden werden. „Auch bei großer Hitze oder einer Grippewelle kann es schnell eng werden“, sagt Kerstin Schweiger. Dann zeige sich, wie wichtig das Blutspenden ist.

Spenden darf jeder, der mindestens 18 und höchstens 72 Jahre alt ist. Erstspender bekommen etwa vier Wochen später ihren Blutspendeausweis. Vor dem Rathaus steht das DRK-Mobil jeden ersten Dienstag im Monat und zwar von 14 bis 18 Uhr. Nächste Termine sind am 6. März und 8. Mai sowie am 3. April von 10 bis 18 Uhr.

Alles zu Blutspenden und Terminen unter www.blutspende-nordost.de.
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