Wenn ein Amt in Schwingung kommt: Brückenstreit gefährdete den Lauf der Sympathie

Hanns Liebach (vorne) kam beim Lauf der Sympathie im vergangenen Jahr als Erster ins Ziel. Wenige Meter zuvor hatte er, wie auch alle anderen Teilnehmer nach ihm, die Brücke über den Mühlengraben ohne Probleme überquert. (Foto: Thomas Frey)
 
Eine Läufergruppe 2015 unterwegs in der Carl-Schurz-Straße. Gleich haben sie das Rennen erfolgreich beendet. Aber Vorsicht, vorher kommt noch die Brücke. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Carl-Schurz-Straße, Mühlengraben |

Spandau. Am 13. März findet der inzwischen 27. Lauf der Sympathie von Falkensee nach Spandau statt. Das Datum ist schon lange fix, aber bis vor kurzem war nicht klar, ob die Traditionsveranstaltung wirklich starten kann.

Denn sie geriet in die Mühlen der Bürokratie und wurde Opfer eines bizarren Brückenstreits. Und gesichert war der Lauf erst nach einer Intervention des Bürgermeisters sowie einer Auflage, die die Veranstalter jetzt erfüllen müssen.

Aber der Reihe nach. Für das Rennen über zehn Kilometer auf öffentlichem Straßenland braucht es natürlich jedes Jahr eine Genehmigung. Sie war bisher eher Formsache. Die entsprechenden Anträge wurden von den Organisatoren, dem VfV Spandau bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und vom TSV Falkensee beim Landkreis Havelland eingereicht.

Seit vergangenem Jahr erteilt das Amt in Brandenburg den abschließenden Bescheid, die Kollegen aus der Hauptstadt arbeiten ihnen vorher zu. Diesen Auftrag haben einige Senatsmitarbeiter dieses Mal anscheinend besonders ernst genommen. Denn sie entdeckten jetzt, nach mehr als einem Vierteljahrhundert, mögliche Gefahrenquellen.

5000 Euro fürs Gutachten

Nämlich in Form von zunächst zwei Brücken, bei denen beim Passieren einer Vielzahl von Läufern eventuell Schwingungen befürchtet wurden. Klären sollte das ein Gutachten. Das hätte aber nicht nur rund 5000 Euro gekostet und damit den Ausrichtern einige Kosten auferlegt, sondern vielleicht auch den Termin gefährdet. Ohne eine solche Expertise könne aber keine Zustimmung erteilt werden, erklärten die Straßensachverständigen zunächst.

Bei den fraglichen Bauwerken handelte es sich zum einen um die Moritzbrücke, die über den Mühlengraben in die Altstadt führt. Dass sie aufgrund einiger Läufer aus der Fassung gerät, scheinen inzwischen auch die Senatsexperten nicht mehr zu vermuten. Zumindest versahen sie diesen Streckenabschnitt nicht mit weiteren Auflagen. Anders sieht es bei der zweiten angemahnten Brücke aus, die von den meisten aber gar nicht als solche wahrgenommen wird. Nämlich der Bereich in der Carl-Schurz-Straße, kurz vor dem Rathaus. Stimmt, darunter fließt ebenfalls der Mühlengraben. Aber er wird von einer breiten Straßenfläche bedeckt. Tausende Altstadtbummler sind hier täglich unterwegs, beim Weihnachtsmarkt stehen Buden in diesem Bereich. Sie alle hat diese „Brücke“ bisher ohne Probleme ausgehalten. Ebenso die Teilnehmer sowie Zuschauer beim Lauf der Sympathie. Trotzdem sieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an dieser Stelle eine mögliche Schwingungsgefahr. Sie erteilte deshalb die Auflage, dass sich höchstens 15 Läufer gleichzeitig auf diesem Abschnitt befinden dürfen.

Nicht am Stadtplan orientieren

Grundsätzlich sei das kein Problem, sagt Organisator Klaus Scholz vom VfV Spandau. Denn wenige Schritte hinter der vermeintlichen Furt befindet sich auch in diesem Jahr das Ziel. Bis dahin ist das Feld längst so weit auseinandergezogen, dass die Aktiven meist einzeln oder in kleineren Gruppen dort ankommen. Scholz ärgert sich aber über die bürokratischen Hürden, die hier ohne ersichtlichen Grund aufgebaut wurden. Nicht schlecht, so meint er, wäre es manchmal, sich zunächst mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Es entsteht der Eindruck, als basiere die Brückenauflage vor allem auf dem Betrachten von Stadtplänen oder Google Maps.

Auch Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) wertete das Vorgehen als ein Beispiel für Amtsschimmel. Er ist daher bei Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) vorstellig geworden. Mit dem Ergebnis, dass von dem geforderten Gutachten abgesehen wurde. Warum die Senatsverwaltung zunächst darauf bestand, da haben Kenner der Szene so ihre Vermutung. Möglich sei, dass sich das Land Berlin damit auf Kosten der Ausrichter von Laufveranstaltungen schadlos halte. Der Senat bekäme auf diese Weise eine Zustandsbeschreibung mancher Brücken und müsste nicht selbst tätig werden.

Der Laufklassiker von Falkensee nach Spandau bleibt davon jetzt verschont. Ansonsten werden Klaus Scholz und seine Mitstreiter am 13. März natürlich peinlich darauf achten, dass sich nicht mehr als 15 Starter auf der neu entdeckten Brücke aufhalten.tf
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