Seit 80 Jahren ist die Konditorei Fester ein Spandauer Traditionsbetrieb

Sorgfalt in der Backstube: Klaus-Jürgen Rödiger (links) und Backstubenleiter Jörn Pickert. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Konditorei Fester |

Spandau. Wenn die Konditorei Fester am Markt am 25. Juni ihr 90-jähriges Bestehen feiert, bedeutet das auch 80 Jahre Spandauer Geschichte.



Angefangen hat alles auf der Insel Usedom, in Heringsdorf. Dort hat Hellmuth Fester 1926 seine erste Konditorei eröffnet. Den Meisterbrief hatte der am 16. April 1901 in Wittenberge geborene Mann noch nicht. Gleichwohl erlaubten die Innungsregeln, einen Saisonbetrieb auch ohne diesen wichtigen Abschluss zu führen.

Zwei Jahre später durfte sich Fester Meister nennen, doch er blieb zunächst seinem geliebten Usedom treu. In den Wintermonaten arbeitete er in Berlin als angestellter Konditor. 1936 stand in der Breiten Straße 20 die Konditorei Wiegmann zum Verkauf, und es begann die bis heute währende Spandauer Geschichte.

Hellmuth Fester modernisiert das Haus aus der Zeit Friedrichs des Großen. Die Konditorei ist schnell etabliert im Leben der Zitadellenstadt. Die Zeitläufte sind weniger gut. Das nationalsozialistische Deutschland zettelt den Zweiten Weltkrieg an und unter dem leidet auch Spandau. Am Kriegsende ist fast die gesamte Altstadt ein Trümmerfeld. Doch Fester hat Glück mit seinem alten Haus. Im Keller ist ein sogenannter Brustfeuerungsofen erhalten geblieben, mit dem auch Brot gebacken werden kann. Der braucht weder Gas noch Strom, Fester verheizt einfach die Trümmer – und versorgt im Drei-Schicht-Betrieb die Spandauer mit dem wichtigen Lebensmittel.

Nach dem Krieg geht es wieder bergauf, und in den 1950er-Jahren tritt ein Mann ins Unternehmen ein, der noch heute dort ständig zu finden ist: „1954 wurde ich Backstubenleiter“, sagt Klaus-Jürgen Rödiger, der deutlich jünger als 85 wirkt. Der Konditor war zudem mit Eva Fester liiert, der Tochter von Hellmuth Fester, die er 1958 heiratete.

Rödiger legte wie sein Schwiegervater nicht nur Wert auf präzises Handwerk und exzellente Produkte, er hatte auch die Umgebung im Blick.

1976 wird ein doppelt gewichtiges Jahr: Klaus-Jürgen Rödiger wird zum Vorsitzenden der Vereinigung Wirtschaftshof gewählt und er zieht mit dem Unternehmen, dessen Geschäfte er seit 1967 führt, um zum Markt 4. Bessere Lage, aber ein enormer Umbau-Aufwand. Wo heute im ersten Obergeschoss gern Kaffee getrunken wird, wurden zuvor Pelze genäht. Für die ebenfalls dort untergebrachte Backstube mussten damals extra die Decken verstärkt werden.

Die Konditorei Fester gilt nach 90 Jahren Unternehmensgeschichte noch immer als das erste Haus am Platz, worauf Rödiger, seine Tochter Heike Rödiger, die mit ihm die Geschäfte führt, und die 25 Mitarbeiter auch sehr stolz sind. CS
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