Dirk W. engagiert sich für die Rechte von Flüchtlingen

Dirk W. ist einer der Anwohner des neuen Asylbewerberheims, sie sich solidarisch mit den Flüchtlingen zeigen. (Foto: hari)

Hellersdorf. Nicht alle Anwohner des neuen Asylbewerberheims in der Carola-Neher-Straße lehnen die Ankunft der Flüchtlinge ab. Einige Anwohner solidarisieren sich mit ihnen. Dazu zählt Dirk W.

"Gegen eine Ausgrenzung von Menschen habe ich schon immer was gehabt", sagt der gebürtige Saarländer. Er erinnert sich, wie vor mehr als 20 Jahren in seiner Heimat über Flüchtlinge aus der DDR gesprochen wurde. "Da hieß auch so ein Spruch: Was wollen die hier?" Der Hellersdorfer lebte nach seiner Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann einige Zeit in Paris. Danach tourte er fast 20 Jahr durch die ganze Welt. Vor zwei Jahren strandete er in Hellersdorf. "Hier lässt es sich gut wohnen", sagt er. Er will sich als IT-Berater selbstständig machen.

Gewundert hat es ihn nicht, dass die rechten Parolen gegen das Heim auch bei den Anwohnern Zuspruch fanden. "Die Menschen hier sind vielfach verunsichert" sagt er. "Sie fühlen sich sozial ausgegrenzt - und das zu Recht", fügt er hinzu.

Die Angst vor dem Fremden, auch Fremdenhass sei weit verbreitet. Manchmal äußere sich diese Haltung auf merkwürdige Weise. "Da sitzt du beim Türken und hörst, wie die Leute über Ausländer herziehen. Im nächsten Moment ruft einer ganz freundlich: Ali, noch ein Bier!" erzählt er.

In seinem Wohnblock nahe der Carola-Neher-Straße leben 18 Mietparteien. Drei von ihnen äußern sich offen fremdenfeindlich. Mit Dirk W. halten drei dagegen. Der Rest der anderen Hausbewohner schwanke in seiner Haltung zwischen beiden Seiten. Bedrohlich empfindet Dirk W. die Präsenz der Neonazis im Kiez. Deshalb möchte er auch nicht seinen vollen Namen in der Zeitung lesen.

Eine Gruppe von linken Aktivisten hat an der Carola-Neher-/Ecke Maxie-Wander-Straße eine "Mahnwache" eingerichtet. Es ist nicht nötig, im Kiez "Patrouille" zu laufen, wie manch einer der von weit her angereisten Teilnehmer gedacht hat.

Die Mahnwache fungiert als Ansprechpartner bei Fragen von Anwohnern und nimmt auch Spenden von Anwohnern für die Flüchtlinge entgegen. Es gibt auch Anwohner, die der Wache gelegentlich morgens einen Kaffee vorbeibringen oder eine Türe von Schrippen.

Dirk W. gesellt sich manchmal stundenweise zu den Aktivisten. Er will Gesicht zeigen. Sein Standpunkt im Kiez ist bekannt. Einer politischen Richtung oder Partei gehört er nicht an. "Es geht mir nur um Menschlichkeit", sagt er.


Harald Ritter / hari
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