Blumen für die Nachbarschaft: Reinhold Göring verschönert Grünflächen am Kummerower Ring

Die von Reinhold Göring gepflanzten Blumen am Kummerower Ring sind verblüht. Er bereitet bereits die Pflanzungen für das kommende Frühjahr vor. (Foto: hari)

Reinhold Göring hat am Kummerower Ring vor dem Mietshaus, in dem er lebt, auf den Grünflächen Blumen gepflanzt. Auch an der Einmündung der Cecilienstraße in den Kummerower Ring hat er Blumenbeete angelegt und Bäumchen gesetzt.

Das sind mir die liebsten Orte in meinem Wohnviertel. Hier kann ich die Freude am Gärtnern ausleben und ein Stück Grün genießen, das ich selbst geschaffen habe. Bei der Arbeit geht mir vieles durch den Kopf. Sie macht mich aber froh und glücklich.

Noch schöner ist es, wenn man von Nachbarn oder Passanten einmal ein gutes Wort hört oder einfach über die Blumen und Pflanzen miteinander ins Gespräch kommt. Das tut mir gut. Ich bin inzwischen 79 Jahre alt uns lebe allein in einer kleinen Zwei-Raum-Wohnung am Kummerower Ring.

Die Freude am Grün ist aus meinem Leben erwachsen. Ich wurde 1939 in Lindenau in der Ukraine geboren. Das war ein deutsches Städtchen in der Gegend von Saporoshje. Mein Vater war Agronom und der Familie ging es gut. Wir hatten auch einen schönen Garten, in der ich als Kleinkind gern spielte.

Damit war es wenige Jahre nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht vorbei. 1943 wurden wir nach Westpolen umgesiedelt auf einen Hof, der zuvor einer polnischen Familie gehört hatte. Die Polen mussten für uns Deutsche arbeiten. Meine Mutter ist mit den Polen gut ausgekommen. Zu uns Kindern hat sie mehr als einmal gesagt: Stellt euch vor, wenn es einmal anders geht.

Es kam auch bald anders. Die Rote Armee rückte vor und die Familie wurde auf der Flucht getrennt. Ich kam mit meiner Mutter in ein Lager in Sibirien. Da lebten wir in einer Baracke, hatten kaum zu essen und mussten schwer arbeiten. Im Lager war alle grau in grau. Es war eine Freude, wenn man draußen einmal ein Blümchen fand.

Später habe ich im Ural bei Bau gearbeitet, sogar an einer Fachschule meinen Ingenieur gemacht. Wir hatten ein Häuschen und einen Garten. Damit war aber nicht viel anzufangen. Das war bei Tscheljabinsk, einem Ort mit viel Schwerindustrie. Die Erde war verseucht und Obst und Gemüse schlecht zu gebrauchen.

Nach Deutschland kam ich 1993 und seit 2003 lebe ich in Hellersdorf. Nachdem ich in meine jetzige Wohnung zog, ging mir durch den Kopf: Die Grünflächen sind zwar schön, könnten aber ein bisschen bunter sein. Da habe ich einfach angefangen, zu säen und zu pflanzen. 2014 holte ich mir dafür eine Genehmigung des Grünflächenamtes ein.

Es gibt auch Nachbarn, denen gefällt das nicht, was ich da mache. Es sollen sich sogar einige bei meinem Vermieter beschwert haben, der Wohnungsgenossenschaft Wuhletal. Gegen die Nutzung ihrer Grünflächen hat die nichts, aber ich soll von mir angelegte Komposthaufen entfernen. Auch mit dem Grünflächenamt habe ich neuerdings Schwierigkeiten. Dem gefällt es wohl nicht, dass ich einige Beete durch kleine Umzäunungen geschützt habe. Ich hoffe, das geht für mich gut aus. Denn die Beete bringen Licht in mein Leben.
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