Picknickdecken für die Geselligkeit

Renate U. Schürmeyer (links) und Karin Schuttka präsentieren vor der Nähstube in der Stollberger Straße 75 die erste fertige Picknickdecke. (Foto: Haedke)
Berlin: Nähstube |

Hellersdorf. Mit einer Nähstube wollten zwei Frauen mehr Geselligkeit in den Kiez um den Boulevard Kastanienallee bringen. Das Experiment scheint gelungen und soll fortgeführt werden.

Anfang September eröffneten Renate U. Schürmeyer und Anne Haedke eine Nähstube in einer leer stehenden Gewerberaum in der Stollberger Straße 75. Zusammen mit Frauen aus dem Kiez wollten sie aus Stoffresten Picknickdecken nähen und ins Gespräch kommen.

Einige Picknickdecken, gefertigt aus Stoffresten, sind bereits fertig. Während der zurückliegenden Wochen wurde die Nähstube tatsächlich an den Öffnungszeiten mittwochs bis sonnabends von 13 bis 18 Uhr zu einem regelmäßigen Treffpunkt für Frauen aus dem Kiez.

Eine Studie der Alice Salomon Hochschule vom Frühsommer dieses Jahres beschreibt das Klima im Kiez Kastanienboulevard als rau. Viele Bewohner vermissten ein Gefühl der Gemeinschaftlichkeit. Die Nähstube scheint geeignet, dieses Vakuum zu füllen.

Die ehemalige Lehrerin Anne Haedke arbeitet seit drei Jahren als Supervisorin der Evangelischen Kirchengemeinde Hellersdorf. Sie berät den Vorstand in sozialen und psychologischen Fragen. Von daher kennt sie die Gegend um den Kastanienboulevard und dessen Probleme.

Sie ist seit Längerem mit der Bildenden Künstlerin Renate U. Schürmeyer befreundet. Diese begreift ihr gemeinsames soziales Projekt auch als Kunstaktion. „Die Frauen schaffen etwas gemeinsam, was einen bleibenden Wert hat“, sagt sie. Ihre Vorstellung ist, am Ende so viele Picknickdecken zu haben, dass der gesamte Kastanienboulevard mit Picknickdecken ausgelegt oder ausgehängt werden kann.

So weit ist es noch lange nicht, aber die beiden haben verlässliche Mitstreiterinnen wie Karin Schuttka gefunden. Diese ist erst vor Kurzem in das Kastanienboulevard gezogen, um Kindern und Enkelkindern näher zu sein. Mit ihrer neuen Heimat fremdelte sie zunächst, bis die ehemalige Schneiderin auf die Nähstube stieß. „Hier fand ich schnell Kontakt zu anderen Frauen und die Arbeit ist genau das Richtige für mich“, sagt sie.

Die Nähstube wird von der Deutsche Wohnen AG und der Wohnungsgenossenschaft Wuhletal unterstützt, den beiden größten Vermietern im Kiez. Ende September schließt sie und soll 2016 wiedereröffnet werden, dann aber für zwei bis drei Monate. hari
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