Rund um das Asylbewerberheim ist Ruhe eingekehrt

Isabell Frauendörfer beteiligte sich vor einem Jahr an Protesten gegen das Asylbewerberheim. Mittlerweile sieht sie die Flüchtlinge ganz anders. (Foto: hari)

Hellersdorf. Die Lage um das Asylbewerberheim in der Carola-Neher-Straße hat sich entspannt. Viele Anwohner haben erkannt, dass ihre Vorbehalte gegenüber den neuen Nachbarn unbegründet waren.

Im August vergangenen Jahres zogen die ersten Asylbewerber in die ehemalige Max-Reinhardt-Oberschule in der Carola-Neher-Straße ein. Inzwischen sind die Räume dort vollständig umgebaut und eingerichtet. In dem Heim wohnen wie geplant 400 Asylbewerber.

Die Aufregung in der Nachbarschaft scheint sich gelegt zu haben. Es hat zwar in den zurückliegenden Monaten immer wieder Aktionen von Rechtsextremisten gegeben. Unter anderem im März versuchten Unbekannte gewaltsam in das Gebäude einzudringen. Es gelang aber nicht mehr, Anwohner in größerer Zahl für ausländerfeindliche Aktionen auszunutzen.

Die Anwohner hatten Zeit, nachzudenken. Auch Isabell Frauendörfer hat diese Zeit genutzt. Die angehende Erzieherin beteiligte sich im Sommer 2013 an Aktionen gegen das Heim und gab Interviews mit fremdenfeindlichen Äußerungen. Seitdem heftet der 23-Jährigen der Ruf an, zur rechten Szene zu gehören. Sie versichert, das sei nie der Fall gewesen. Die Neonazis hätten ihre politische Naivität ausgenutzt. "Ich hatte einfach Angst vor dem Fremden", sagt sie. Schon im September vergangenen Jahres habe sie aufgehört, da mitzumischen.

Inzwischen sieht sie die Flüchtlinge ganz anders. "Das sind auch Menschen und sie haben ein Recht auf Sicherheit", erklärt sie. Nichts von dem sei eingetreten, was die Rechten prophezeit hatten, um die Anwohner für sich zu gewinnen. Kriminalität und Gewalt im Kiez seien nicht gestiegen, jedenfalls nicht durch die Asylbewerber.

Heimleiterin Martina Wohlrabe sieht einen solchen Gesinnungswandel mit vorsichtigem Wohlgefallen. Sie erlebt immer noch auch die Fremdenfeindlichkeit im Kiez. "Erst kürzlich habe ich selbst im Supermarkt erlebt, wie zwei junge Männer auf einige unserer Asylbewerber losgingen und sie beschimpften", erzählt sie.

Die Heimleiterin ist bei Problemen gesprächsbereit, etwa wenn einmal größerer Lärm aus dem Heim Anwohner stören sollte. Die Betreuungsgesellschaft Pewobe, die das Heim im Auftrag des Senats betreibt, hat deshalb die E-Mail-Adresse maxie-wander-straße@pewobe-berlin.de eingerichtet. Die Heimleitung ist unter 53 02 18 43 zu erreichen.


Harald Ritter / hari
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