Hermann Wollner engagiert sich für Gut Hellersdorf

Hermann Wollner hat das Gut Hellersdorf für sich entdeckt. Der promovierte Agrarökonom engagiert sich bei dessen Neugestaltung. (Foto: hari)
Berlin: Gut Hellersdorf |

Nach der jüngst vollzogenen Übernahme durch die Gesobau AG soll das Gut Hellersdorf eine neue Perspektive bekommen. Einer, dem die weitere Entwicklung des Gutes besonders am Herzen liegt, ist Hermann Wollner.

Seit 1996 wohne ich in Hellersdorf. Wie oft ich seitdem auf dem alten Gutsgelände gewesen bin, weiß ich nicht mehr. Es muss aber sehr oft gewesen sein, denn ich kenne hier wahrscheinlich schon jede Ecke, jeden Stein.

Sicherlich ist es mein Interesse an Landwirtschaft schlechthin, das meine Aufmerksamkeit weckte und wachhielt. Die Landwirtschaft ist mein Beruf. Ich habe dieses Fach studiert, sogar einen Doktortitel in Agrarökonomie erworben. Viele Jahre meines Berufslebens habe ich landwirtschaftliche Projekte betreut, darunter im Ausland, etwa eine Farm in Angola. Aber auch im Berliner Umland habe ich unter anderem den Bau von Biomasse-Verwertungsanlagen und Kompostieranlagen betreut.

Das Gut Hellersdorf repräsentiert ein beachtliches Stück Landwirtschaftsgeschichte. Aus einem alten Rittergut hervorgegangen, wurde es bis Anfang der 1990er Jahre als Stadtgut betrieben. Die Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Wohngebäude für die Landarbeiter sind im Wesentlichen erhalten. Deren Aussehen ist leider vielfach durch An- und Umbauten verschandelt. Obwohl acht historische Gebäude unter Denkmalschutz stehen, sind diese vernutzt und verschlissen. Das Gutsareal bildet den mehr oder weniger erhaltenden historischen Kern des modernen Hellersdorf und könnte identitätsstiftend für dessen Bewohner sein. Um so bedauerlicher fand ich es, wie dieses Stück Identität immer mehr verfiel.

Als ich im Sommer 2017 erstmals davon hörte, das Gut solle mit dem Verkauf an die Gesobau wieder eine „Perspektive“ bekommen, habe ich viele Gespräche mit auf dem Gut ansässigen Gewerbetreibenden geführt. Aber auch im Zusammenhang mit Planungs- und Ideenrunden jenseits des vom Bezirksamt betriebenen Bebauungsplanverfahrens fanden sich Gesprächspartner, etwa in den Mitarbeitern der Kreuzberger Prinzessinnengärten, die auf dem Gutsgelände ein ökologisches Nachbarschaftsprojekt aufbauen.

Die Wohnbebauung auf den Brachen rund um das Gutsgelände finde ich gut und zeitgemäß. Wenn dabei das Gut als Zentrum für die Entwicklung von ökologischen Ideen und Kreativität eine neue Rolle bekommt, finde ich das noch besser. Mir gefällt nicht, dass bei alldem die ansässigen Handwerker und Gewerbetreibenden bisher außen vor gelassen werden. Aus Gesprächen weiß ich, dass viele Angst davor haben, im Zuge der Sanierung der Gutsgebäude verdrängt zu werden. Ich finde, mit diesem Menschen müsste mehr gesprochen werden. Sie sind es doch, die das Gut bisher am Leben erhalten haben und sie haben ihre Kunden meist im Umfeld des Gutes. Auch denen, die bisher auf dem Gut Werte geschaffen haben, muss eine Perspektive gegeben werden. Dabei sind deren Vorschläge zu berücksichtigen.
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