Unscheinbares Relief: Max-Beckmann-Platz in Hermsdorf

Von der Seite gut zu sehen, direkt von vorne weniger: Relief für Max Beckmann. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Max-Beckmann-Platz |

Eine kleine Grünanlage erinnert an einen großen Maler, der zeitweise auch in Reinickendorf, genauer in Hermsdorf, wohnte: Max Beckmann.

Wer den nördlichen Ausgang des S-Bahnhofs Hermsdorf nutzt, um auf die Heinsestraße zu gelangen, kann ihn leicht übersehen: Der markante Kopf, der aus der kleinen Grünanlage in Richtung Heinsestraße sieht, ist ein leicht zersplittertes Relief, das direkt von hinten oder auch vorn auf den Betrachter wie ein schwarzer Strich in der Landschaft wirkt.

Max Beckmann, 1884 in Leipzig geboren und 1950 in New York gestorben, hat alle Brüche des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts miterlebt. Von 1906 bis 1914 lebte er an der Ringstraße 17 in Hermsdorf.

Nicht auf Russen und Franzosen schießen

Der Künstler, der sich bei allen Stilwandlungen nie von der gegenständlichen Kunst entfernte, blieb sich auch anderweitig treu. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs bekannte er, nicht auf die Franzosen schießen zu wollen, weil er von diesen so viel gelernt hatte, und auch nicht auf die Russen, weil er begeisterter Dostojewski-Leser war. Gleichwohl meldete er sich 1914 zum freiwilligen Sanitätsdienst, und erlitt schon ein Jahr später einen Nervenzusammenbruch.

Gefährlicher noch wurde es für ihn im Nationalsozialismus. 1933 entließen ihn die braunen Machthaber aus seiner Professur an der Frankfurter Städel-Schule. Er zog wieder nach Berlin, bis er 1938 nach Amsterdam übersiedelte, von wo aus er nach dem Krieg in die USA ging.

Der Max-Beckmann-Platz ist seit 1987 nach ihm benannt. Und immerhin, wer zum S-Bahnhof geht, sieht außer dem Kopf-Relief auch einen großen Stein mit seinem Namen.
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