80 Maler, Keramiker, Musiker und Fotografen geben Einblick in ihre Arbeit

Julica Da Costa José ist Verwalterin der Kunstkaserne und selbst Künstlerin. (Foto: Ralf Drescher)
 
Nebojsa Despotivics Bilder entstehen in Öl mit Wischtechnik. (Foto: Ralf Drescher)

Johannisthal. Der Groß-Berliner Damm 80 war viele Jahre die Adresse einer Stasidienststelle. Danach war für zwei Jahrzehnte die Telekom Mieter. Seit zwei Jahren sind in Teilen des Gebäudekomplexes nun rund 80 Künstler zuhause. Am 29. November geben sie Einblick in ihre Arbeit.

Hausherrin der Kunstkaserne - der Name nimmt auf die frühere militärische Nutzung durch die Staatssicherheit Bezug - ist Julica Da Costa José, selbst bildende Künstlerin. "Ich habe vor zwei Jahren Räume angemietet, um Kollegen günstige Ateliers anbieten zu können. Ich hatte zuvor selbst gemerkt, wie kompliziert es ist, ein bezahlbares Atelier zu finden", sagt die 38-Jährige.

Inzwischen haben sich rund 80 Künstler eingemietet, nur noch wenige Ateliers sind frei. Zu den "Neuen" gehören Andreas und Ralph Hilbert, 38 Jahre alte Zwillingsbrüder aus der Nähe von Überlingen am Bodensee, die gemeinsam unter dem Künstlernamen "Anra" agieren. "Seit sechs Jahren ist der Krieg unser großes Thema. In den Nachrichten hört man ja fast jeden Tag etwas von Krieg oder militärischen Auseinandersetzungen, deshalb haben wir der Bedrohung der Menschheit unsere Werke gewidmet", sagt Andreas Hilbert. Derzeit bereiten die beiden eine Antikriegsinstallation für den Tag der offenen Tür vor. Sie verarbeiten dafür Collagen und Spielzeugsoldaten. Die Atelierbesucher können am 29. November sogar Bomben und Maschinenpistolen in Form von Keksen durch Aufessen vernichten - als Symbol für eine mögliche Abrüstung.

Ein paar Ateliers weiter bereitet Nebojsa Despotivic sein Atelier für die Besucher vor. Der 32-Jährige ist in Belgrad geboren, hat in Florenz studiert und jetzt seinen Arbeitsmittelpunkt in Berlin gefunden. Er arbeitet unter anderem mit Öl- und Acrylfarben, nutzt für seine Bilder eine Art Wischtechnik.

Julica Da Costa José verwaltet die Kunstkaserne vom eigenen Atelier aus. "Ich bemühe mich aber, genügend Zeit für eigene Werke einzuplanen, ich möchte ja nicht hauptberuflich Atelierverwalterin sein", sagt Julica Da Costa José. Mit den rund 80 Künstlern, darunter sind Maler, Grafiker, Keramiker, Fotografen und Musiker, hat sich eine gute Mischung ergeben. Auch zu den Künstlern des Atelierhauses Mengerzeile, die im kommenden Jahr dort ausziehen müssen (die Berliner Woche berichtete) gibt es bereits Kontakte. Um alle unterzubringen, müsste man allerdings weitere Teile des Komplexes anmieten. "Es gibt auch schon Überlegungen, das Gebäude zu kaufen", sagt Julica Da Costa José. Derzeit stehen nur wenige Ateliers frei, anmietbar sind bereits kleine Flächen ab zwölf Quadratmeter.

Zum Tag der offenen Tür am 29. November öffnen sich zwischen 12 und 18 Uhr fast alle Ateliers. Außerdem gibt es Ausstellungen im gemeinschaftlichen Showroom und kleine Konzerte, der Eintritt ist natürlich frei. Die Kunstkaserne befindet sich am Groß-Berliner Damm 80, schräg gegenüber vom Jobcenter. Der Zugang ist über den Hof. Informationen auch unter 0175/670 50 04 oder www.kunstkaserne-berlin.com/

Ralf Drescher / RD
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