Kleingärtner kämpfen um Kolonie

Für Ines Liepert (l.) und Wendy Brandt bedeutet die Kolonie eine Auszeit im Grünen. (Foto: Wrobel)
 
Die Kleingärtner Jan Lüdeke, Ines Liefert und Wendy Brandt schlagen Alarm: die Kleingartenanlage soll verkauft werden. (Foto: Wrobel)
Berlin: Eisenbahnlandwirtschaft Kleingartenkolonie Frühauf II |

Friedrichsfelde. Die Kleingärtner der Kolonie "Frühauf II" in der Ilsestraße sind aufgeschreckt. Offenbar plant die Deutsche Bahn den Verkauf der Fläche. Das Bezirksamt sichert nun den Erhalt der Kleingartenanlage.

Für viele der Kleingärtner war die Nachricht ein Schock. "Wir haben von dem Verkauf rein zufällig erfahren. Die Deutsche Bahn hat uns nicht informiert", beklagt Ines Liepert. Die 51-Jährige ist nicht die einzige, die um ihre Parzelle bangt. Insgesamt 30 Pächter gibt es in der Kleingartenkolonie "Frühauf II" an der Ilsestraße. Das Grundstück mit seiner Fläche von über 16 000 Quadratmetern wurde von der Deutschen Bahn AG DB Immobilien in einem Bieterverfahren zum Verkauf angeboten. Kaufangebote seien bis zum 12. Juni an die Deutsche Bahn zu richten, hieß es in der Immobilienanzeige auf dem Online-Portal des Unternehmens.

Die Kleingärtner sind seitdem verunsichert und fürchten um den Fortbestand ihrer Gärten. Sie wandten sich in einem offenen Brief an die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg: Denn die Kleingartenanlage ist planungsrechtlich nicht gesichert. "Wir wollen bleiben", sagt auch Wendy Brandt. Die 44-Jährige hat sich zusammen mit Ines Liepert im Namen der Kleingärtner an die BVV gewandt, dies nachzuholen. "Wir erwarten vom Bezirksamt, dass es die Deutsche Bahn zum Dialog mit den Kleingärtnern auffordert und dass mit der unverzüglichen Aufstellung des Bebauungsplans die Kleingartenanlage gesichert wird", heißt es seitens Hendrikje Klein und Daniel Tietze, der Fraktions-Doppelspitze der Linken. Sie ist sich über den Erhalt der Kleingartenanlage mit der SPD-Fraktion einig, bestätigt deren Fraktionsgeschäftsführer Peter Müller. Schließlich habe die Bezirksverordnetenversammlung den Erhalt von Kleingärten in Lichtenberg bereits 1991 beschlossen.

"Der Beschluss, Kleingartenanlagen im Bezirk zu sichern, gilt auch weiterhin", bekräftigt der Stadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU). Am 16. Juni fasste das Bezirksamt den Aufstellungsbeschluss für ein B-Planverfahren. In Lichtenberg gibt es 44 Kleingartenanlagen mit insgesamt über 6000 Parzellen. 37 davon sind auf landeseigenen Flächen, vier davon auf privaten – und planungsrechtlich als "Grünfläche" gesichert. Für die Kleingartenanlage "Frühauf II" gibt es diese planungsrechtliche Sicherung noch nicht. Dass ein B-Planverfahren der richtige Weg ist, darin ist sich die Bezirksverordnetenversammlung fraktionsübergreifend einig. Nicht nur Die Linke erklärt sich solidarisch mit den Kleingärtnern, sondern auch die Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Bündnis 90/ Die Grünen. Das Bebauungsplanverfahren dauert in Folge 18 Monate. "Nach Abschluss des Verfahrens sind Bauvorhaben, die nicht mit den formulierten Zielen des B-Plans vereinbar sind, nicht genehmigungsfähig", erklärt Nünthel das Prozedere. Damit könnte an dieser Stelle beispielsweise Wohnungsbau verhindert werden. Selbst wenn das Grundstück verkauft werden sollte, muss es dann Grünfläche bleiben. Auch während des Verfahrens genießen die Kleingärtner Schutz: "Solange ein B-Planverfahren läuft, können etwaige Bauvorhaben zurückgestellt werden", sagt Nünthel.
Der Stadtrat erwägt zudem, ob die Kommune die Fläche von der Deutschen Bahn erwerben sollte. "Es gibt diese Möglichkeit, vorausgesetzt, wir bekommen die Fläche für den Verkehrswert." Es wäre der erste Grundstückskauf des Bezirkes, um eine Kleingartenkolonie zu sichern.

Die Kleingärtner hoffen zumindest auf schnelles und zuverlässiges Handeln. "Für uns ist die Kolonie eine grüne Oase, eine echte Alternative zum Leben in der Platte", sagt Jan Lüdeke. Der 31-Jährige wohnt an der Frankfurter Allee und zählt mit seiner Familie zu den jüngsten unter den Kleingärtnern. Seit 2014 bewirtschaftet er seine Parzelle. "Meine Kinder können hier Zucchini beim Wachsen beobachten. Sie sind in der Natur. Uns würde das wirklich fehlen." Die Deutsche Bahn hat sich bis Redaktionsschluss nicht zum Verkauf geäußert.

KW
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