Karlshorst: Hier wurde für den Kaiser Kuchen gebacken

Das dritte Gebäude, frisch saniert: Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2013. (Foto: Archiv Toepfer)
 
Im Juni 1906 feierte Bäcker Schröter sein neues Haus. (Foto: Archiv Toepfer)

Karlshorst. Am 25. Mai feiert Karlshorst seinen 120. Geburtstag. Deshalb will die Berliner Woche einige Kapitel aus der Geschichte des heutigen Berliner Ortsteils erzählen. Heute geht es um ein Haus, das dreimal gebaut wurde.

Einzelstehend, drei Vollgeschosse, heller Anstrich: Das Gebäude an der Ecke Ehrlich- und Üderseestraße fällt in dieser Gegend nicht weiter auf. Und doch hat es eine ungewöhnliche Geschichte.

An dieser Stelle standen zuvor schon zwei andere Häuser. Den Anfang machte ein recht bescheidener, zweistöckiger Bau. Errichtet wurde er in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts - damals hießen die Straßen noch Kaiserin-Auguste- und Prinz-Eitel-Friedrich-Straße. Der erste Erwerber, der Bäckermeister Wilhelm Bath, verkaufte am 8. Juli 1901 an seinen Kollegen, den Bäckermeister Paul Schröter.

Die Geschäfte brummen

Schnell liefen dessen Geschäfte hervorragend. Die Kunden kamen zuhauf, kauften Backwaren oder ließen sich im Café ein Stück Torte schmecken. Und Paul Schröter belieferte nicht nur Privatleute, sondern auch die Hindernisrennbahn. Was den Bäcker besonders stolz machte: Immer dann, wenn seine Majestät Kaiser Wilhelm II. sich dem Pferdesport zu widmen geruhte, wurde er zum Hoflieferanten.

Klar, dass bei so viel Erfolg und Ehre ein repräsentativerer Bau hermusste: Paul Schröter ließ ein viergeschossiges Gebäude hinter dem kleinen Haus errichten und nach dessen Abriss einen zweiten Gebäudeteil - alles bei laufendem Betrieb. Im Juni 1906 lud der Bäckermeister zur feierlichen Eröffnung.

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam das Ende für den prächtigen Bau. Der erste englische Bombentreffer in Karlshorst ging am 8. September 1941 auf die Bäckerei nieder. Dabei kam eine Frau ums Leben - die erste Karlshorster Kriegstote. Sie hieß Anna Kammler, und zum Verhängnis wurde ihr ausgerechnet ihre Vorsicht, wie Günter Toepfer, Autor des Buches "Verliebt in Karlshorst", zu berichten weiß. Aus Angst vor einem Bombentreffer habe sie nämlich einen Stahlhelm in der Wohnung getragen, so Toepfer. Doch statt sie zu schützen, habe er der Frau das Genick gebrochen, als sie vom Luftdruck der Explosion gegen einen Türrahmen geschleudert worden sei.

Wenige Monate nach dem Bombeneinschlag machte man sich an den Wiederaufbau - zur Aufrüstung der Moral und wegen der wichtigen Versorgungsaufgabe, die die Bäckerei erfüllte. Die war nämlich wundersamerweise funktionstüchtig geblieben. "Man baute also um die Backstube herum ein neues Haus", so Toepfer. Mitte 1943 war es fertig.

Wie lange genau der Bäckereibetrieb lief, ist nicht ganz klar. Bekannt ist jedoch, dass Bäckermeister Gerhard Jahnke 1954 bis 1973 die Geschäfte führte. 1980 wurde der Eigentümer enteignet, zehn Jahre später erfolgte die Rückübertragung. Weil das Gebäude zu DDR-Zeiten arg heruntergekommen war, musste es von Grund auf saniert werden. Seit 2012 konnte man die Arbeiten abschließen.

Alle Artikel unserer kleinen Serie "120 Jahre Karlshorst" finden Sie hier.


Susanne Schilp / susch
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Gisbert Zickuhr aus Karlshorst | 30.04.2015 | 20:09  
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