Freiwillige aus ganz Europa helfen in der Karlshorster Notunterkunft

Katja hat ihren Workshop abgebrochen und sucht jetzt mit Kindern Spielzeug aus. (Foto: Daniel Mosler)
 
Das DRK plant in den nächsten Wochen mehr Freizeitangebote für die Flüchtlinge. (Foto: Daniel Mosler)
Berlin: Flüchtlingsunterkunft Karlshorst |

Karlshorst. "Ich bin von der Dankbarkeit der Menschen überwältigt!", freut sich die 24-jährige Federica Gorgoglione aus dem italienischen Barlena. Die Fremdsprachenstudentin macht seit April einen Deutschkurs in Berlin – und unterstützt die Helfer in der Notunterkunft in der Köpenicker Allee 146.

Federica ist nicht nur Studentin, sondern auch Leiterin einer Gruppe von zehn Studenten, die aus ganz Europa zu einem Workshop des "Vereinigung Junger Freiwilliger" (VJF) angereist sind. "Wir haben von der Situation gehört, alle wollten sofort helfen", so VJF-Geschäftsführerin Andrea Köcher.

Rund 950 Menschen leben in der Unterkunft – darunter mehr als 200 Kinder und Jugendliche. "Wir haben hier 21 Nationen, das Lager ist am Limit", sagt Rüdiger Kunz, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Notunterkunft leitet. Seit zwei Wochen gibt es das Heim, innerhalb von einer Woche kamen die Menschen.

Gerade einmal 200 von ihnen hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales registriert. Deshalb wird jede helfende Hand gebraucht. "Wir verteilen Essen, Kleidung und Spielzeug – manchmal machen wir auch den Abwasch", erzählt die 19-jährige Pauline Lucet, die aus der Nähe von Paris kommt.

Sie ist von der Arbeit begeistert: "Der Staat kümmert sich sehr um die Menschen, und Nachbarn bringen Spenden". Bürger aus ganz Berlin organisieren sich auf Facebook, um die Hilfe zu koordinieren. Mehrere Hundert Unterstützer sind es schon, die die Flüchtlinge als Übersetzer oder Begleitpersonen bei Behördengängen betreuen. In Spitzenzeiten könnten so bis zu 40 Helfer gleichzeitig mobilisiert werden, so Winfried Krause von der Initiative "Lichtenberg-Hilft".

Oft überrascht die Hilfsbereitschaft auch das DRK: "In den ersten Tagen erhielten wir Kinderbetten, Fahrräder und Unmengen an Spielzeug. Die Ehrenamtlichen sind uns eine große Stütze", sagt Kunz.

Und man bekomme trotz der schwierigen Arbeit viel zurück: "In der Freizeit spielen wir mit den Kindern, einige sind uns ans Herz gewachsen", sagt die 19-jährige Olga Hryshaienko aus Kiew. Gemeinsam mit den Kindern werden Kreidebilder auf die Straße gemalt und das Notaufnahmelager wohnlicher gemacht.

Das Spielen ist dabei auch immer ein Weg der Bewältigung traumatischer Erlebnisse: Etliche der Jugendlichen stammen aus Ländern wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Oft kommen sie alleine nach Deutschland. Wie es ihren Eltern und Geschwistern in der Heimat geht, wissen sie nicht. "Wir sprechen nur über die Zukunft – viele können und wollen nicht über ihre Vergangenheit reden", meint Brunet Maxime (22) aus Annecy in Frankreich.

In den nächsten Wochen möchte das DRK mehr Freizeitangebote schaffen. "Wir richten uns gerade erst ein, natürlich kann es mal etwas chaotisch sein", räumt Kunz ein. Mehr Menschen sollen jedoch nicht dazukommen: "Wir möchten alle Flüchtlinge fair versorgen können. Gerade wenn so viele verschiedene Nationen und Kulturen aufeinandertreffen, ist die Gefahr von Konflikten groß". Ernsthafte Probleme seien bisher aber ausgeblieben. Zehn Sicherheitsbeamte sind ständig vor Ort – sie sollen aber eher Präsenz zeigen.

Schließlich geht es den jungen Menschen vor allem um eines: um die Chance auf ein neues Leben. Die ehrenamtlichen Helfer in Karlshorst reichen ihnen dabei auf den ersten Metern die Hand. DM

Infos unter www.nuk.lichtenberg-hilft.de; DRK-Hotline  50 38 07 97
1
Einem Autor gefällt das:
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.