Trabrennbahn Karlshorst behauptet sich als Anziehungspunkt für Pferdesportliebhaber

Antonia Ahrens mit ihrem Gewinn: Glücksspiel ist für sie nur ein Zeitvertreib. (Foto: Wrobel)
 
Antonia Ahrens mit ihrem Gewinn: Glücksspiel ist für sie nur ein Zeitvertreib. Foto: Wrobel (Foto: Wrobel)
Berlin: Trabrennbahn Karlshorst |

Karlshorst. Seit über hundert Jahren gibt es Trabrennen in Karlshorst. Die Renntage sind bis heute ein Anziehungspunkt für Zuschauer und Wettbegeisterte.

Eine angespannte Stille ist in der Wetthalle des Pferdesportparks in Karlshorst zu spüren. Die meist älteren Besucher gruppieren sich um die Stehtische und beugen sich über das Rennprogramm. Auf diesen Seiten finden sie die wichtigsten Daten, die ihnen zum Glück verhelfen sollen: Aufgelistet sind hier Pferd und Fahrer, die zugehörigen Startnummern, frühere Laufzeiten und daraus abgeleitete Prognosen.

Antonia Ahrens ist geübt darin, diese Daten zu studieren. Die junge Frau wird mit ihrem Wettschein sechs Euro einsetzen – ein hoher Einsatz, denn schon mit 50 Cent wäre sie dabei. Mit der ganzen Familie verfolgt sie das Rennen in der Halle per Fernsehübertragung. Dabei laufen die Pferde direkt vor der Tür. Nach dem Zieleinlauf lösen die Wetter ihren Blick vom Fernsehbildschirm. Es gibt viele Verlierer. Die studieren erneut das Programm für das nächste Rennen. Nicht so Antonia. Sie hat Glück. Sie erhält am Schalter einen satten Gewinn von 189 Euro.

4000 Sitze auf der Tribüne

"Der Trabrennsport zieht einfach ein anderes Publikum an, als Galopppferderennen", sagt Dimitrios Vergos, der Geschäftsführer des Pferdesportparks. "Galopp ist mehr High Society. Der Trabrennsport wird dagegen seit jeher von der Mittelschicht getragen." Tatsächlich sieht man in Karlshorst keine einzige Frau mit ausladendem Hut, wie es etwa bei den berühmten britischen Pferderennen in Ascot üblich ist. Hier gibt es Schieber- und Wollmützen. So mancher, der draußen auf einem der 4000 Sitze der Tribüne Platz nimmt, hat eine Thermoskanne mit.

Andreas Prüfer hat sich wegen des sonnigen Wetters eine Sonnenbrille aufgesetzt. Als Vorsitzender des Fördervereins des Pferdesportparks bezeichnet er sich als "Lobbyist" in Sachen Rennbahn. Nebenbei ist der Linke-Politiker auch noch stellvertretender Bürgermeister Lichtenbergs. "Eher zufällig – weil die Bahn im Dezember 2001 geschlossen werden sollte – bin ich seit meinen ersten Tagen als Stadtrat mit der Trabrennbahn verbunden. Inzwischen bin ich Überzeugungstäter." Zusammen mit Dimitrios Vergos, der lange Zeit Geschäftsführer der Trabrennbahn in Mariendorf war, suchte Prüfer immer wieder nach neuen Ideen für die Karlshorster Bahn. "Bisher kämpften wir jedes Jahr ums Überleben", sagt Vergos.

2003 hat sich der Verein Pferdesportpark Karlshorst gegründet, um die mehr als hundert Jahre alte Pferdesportregion zu erhalten. Bislang fehlt es jedoch an finanziellen Mitteln, um aus der Trabrennbahn einen modernen Pferdesportpark zu machen. "Die Renntage wurden über die Jahre immer weniger, und damit auch die Besucherzahlen", weiß Prüfer. "Zu DDR-Zeiten fanden im Jahr an die 90 Renntage statt. Heute sind es nur noch 25 bis 30 Renntage. So ist es schwer, das nötige Geld zu verdienen."

Islandpferde-Weltmeisterschaft

Dass die Anlage bis heute für den Trabrennsport erhalten bleiben konnte, liegt an Frankreich. Dort ist der Trabrennsport so beliebt, dass ein französischer Wettanbieter in so manchen Renntag in Lichtenberg investiert. Die Rennen werden dann im französischen Fernsehen live übertragen. Und 2013 fand hier erstmals die Islandpferde-Weltmeisterschaft statt. "Es kamen eine Woche lang täglich bis zu 13 000 Besucher. Das war toll", erinnert sich Prüfer. Der große Erfolg könnte dazu führen, dass die WM 2019 erneut nach Karlshorst kommt. "Die Chancen stehen nicht schlecht", sagt der Lobbyist.

Zumal schon jetzt eine Weiterentwicklung des Pferdesportparks geplant ist. Die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost kaufte jüngst ein 10 000 Quadratmeter großes, brachliegendes Grundstück der Anlage. Hier soll bis 2018 ein Reittherapiezentrum entstehen. "Dieser Verkauf hat unseren Pferdesportpark auf etwa fünf Jahre gesichert", sagt Geschäftsführer Vergos.

Bislang wird das meiste Geld in Karlshorst noch immer mit dem Glücksspiel gemacht. An einem normalen Renntag mit zehn Rennen bringen die Pferdesportwetten etwa 50 000 Euro Umsatz. Die wenigsten Wetten werden aber vor Ort gemacht. Die meisten trudeln übers Internet ein. Und wer einfach Pferde und Rennen liebt, der bekommt das in Karlshorst umsonst. Denn der Eintritt bei den Renntagen ist immer frei.

Die nächsten Renntage des Pferdesportparks finden am 22. April und am 1. Mai statt. KW

Weitere Informationen gibt es auf www.pferdesportpark-berlin-karlshorst.de.
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