AfD reibt sich an arabischer Musik auf Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt

Kaulsdorf. Der Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt zieht jedes Jahr viele Menschen an. Doch nicht die stimmungsvolle Atmosphäre, sondern ein von der AfD Marzahn-Hellersdorf auf Facebook gepostetes Video vom Auftritt einer Band am 3. Dezember sorgt für politisches Aufsehen.

Das Video zeigt einen Ausschnitt vom Auftritt der Gruppe Habibi Pent auf dem Schilkin-Gelände. Zu hören ist arabisch oder türkisch klingende Musik der aus Syrern und Griechen bestehenden Gruppe. Den Auftritt hatten syrische Flüchtlinge vermittelt, die im Bezirk leben. Zu sehen sind einige wenige tanzende Zuhörer mit ihren Kindern, andere wiegen ihre Köpfe im Takt der Musik.

„Alt-Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt mit irritierenden Gesängen“ überschreibt der AfD-Bezirksvorstand seinen Kommentar zum Video. Mehr als 200 000 Mal wurde der Beitrag bis Mitte Dezember angeklickt. Über 3000 Besucher der Seite fanden den Beitrag gut. Zudem wurden über 600 Kommentare verfasst, die in der großen Mehrheit den Islam angreifen und den Auftritt der Musikgruppe als Beispiel für die fortschreitende Islamisierung Deutschlands ansehen. „Wäre es nicht eine schöne Geste gewesen, traditionelle Weihnachtslieder zu spielen und somit auch mal Respekt und Achtung vor unserer christlichen Kultur und Tradition zu zeigen?“, kritisiert die AfD-Bezirksvorsitzende Jeanette Auricht den Auftritt der Gruppe.

Nur wenige Kommentare wenden sich gegen den darin zum Ausdruck kommenden Hass. Wolfgang Brauer, Vorsitzender des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf, der den Weihnachtsmarkt veranstaltete, findet die Beiträge auf der AfD-Seite „unsäglich“. Der langjährige Abgeordnete der Linken sieht in der Aktion der AfD einen Versuch, aus vorhandenen Vorurteilen politisches Kapital zu schlagen. „Wir sollten uns alle dagegen wehren“, sagt er. Und ein Mitglied des Organisationskomitees für den Weihnachtsmarkt erklärte auf Anfrage der Berliner Woche: „Die Gruppe trug auch Weihnachtslieder vor, wenn auch in für uns ungewohnten Klängen.“

Die Einträge auf der Facebook-Seite der AfD waren auch Thema auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am Donnerstag, 15. Dezember. „Da gibt es eine Vielzahl von menschenverachtenden Kommentaren“, sagte Bürgermeisterin Dagmar Pohle. Sie habe sich bereits mit einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft gewandt, deren strafrechtliche Relevanz zu prüfen.hari
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