Der Weinbauer vom Wuhlesee

Host Michael sitzt gern in seiner Veranda und trinkt ein Gläschen seines eigenen Weins. Ein Buch zur Geschichte der Weinherstellung stellte er auch bereits zusammen. (Foto: hari)

Kaulsdorf. Schmackhafter Wein gedeiht nicht nur an der Mosel oder im Burgund. Er lässt sich auch in den Niederungen des Wuhletals anbauen.

Das beweist seit Jahren Horst Michael. Der Rentner baut auf seinem Grundstück an der Scharnauer Straße seit 2002 eine Traube aus dem legendären französischen Weinbaugebiet um Bordeaux an und verarbeitet diese fachgerecht zu Rotwein.

Dieser darf natürlich nicht offiziell unter der Marke Bordeaux verkauft werden. Zum Verkaufen ist die Ausbeute auch viel zu klein. Rund 25 Liter lassen sich pro Jahr aus der Ausbeute an Trauben keltern. Seine Ernte lässt sich der 71-Jährige gemeinsam mit seiner Frau schmecken und verschenkt Fläschen an Verwandte und Freunde.

Horst Michael ist Meister im Industriehochbau. 1981 erwarb er ein rund 1000 Quadratmeter großes Grundstück an der Scharnauer Straße, das an der Sackgasse zu einem kleine Waldgebiet nur etwa 500 Meter vom Wuhlesee entfernt liegt.

Hier baute Michael für sich und seine Frau ein Häuschen. Er pflanzte Sträucher und Obstbäume an. Darunter sind Sauerkirschen und Mirabellen. Aus den Früchten begann er 1982 bereits seine ersten Obstweine in Glasballonen reifen zu lassen. „Das Weinmachen liegt mir anscheinend im Blut“, sagt er.

Er kann sich gut daran erinnern, dass auch schon sein Großvater Obstweine für den privaten Gebrauch herstellte. Das war in Mittweida, wo Michael seine Kindheit verbrachte. Mit diesen Erinnerungen machte er sich an eine eigene Weinproduktion, fragte bei Bekannten nach und las Fachbücher.

Obstweine stellt Michael auch weiterhin her. Dann, 2001, bekam er von einem Verwandten den Zweig einer Weinrebe geschenkt. Er setzte ihn an seinem Gartenhäuschen in die Erde und daraus wurde ein immer weiter wucherndes Gewächs. Inzwischen stellt Michael echten Traubenwein her. „Das ist wirklich eine Kunst“, erklärt er. Vor Jahren – bei einem seiner ersten Versuche – verpasste er die Weinernte nur um zwei Tage. Der gesamte Jahresertrag landete auf dem Kompost.

Wein ist für den Kaulsdorfer mehr als ein Hobby,die Liebe zum Wein ist seine Leidenschaft. Horst Michael hat Kontakte zu bekannten Kellereien in ganz Deutschland und Österreich, lernte viel über die Geschichte der Weinherstellung und legte sich auch eine kleine Sammlung von Flaschen der edelsten Sorten an.

Außerdem stellte er einen dicken Band zur Geschichte der Weinherstellung, insbesondere adliger Häuser, zusammen. Er besteht zum größten Teil aus kopierten Texten, Faksimiles, Handschriften und Fotografien oder Drucken. Das Buch ist nicht zur Veröffentlichung gedacht, sondern eine Art Sammlerstück. „Das bleibt ein Unikat“, erläutert Michael. Aber an einem zweiten Band arbeitet er bereits. Dieses Mal geht es um den Weinbau des Adels in der Schweiz und Südtirol. hari
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