Traditionsfirma setzt wieder mehr auf eigene Produkte

Branchenkenner Erlfried Baatz (links) und Geschäftsführer Peter Mier wollen zusammen die Zukunft sichern. (Foto: hari)

Kaulsdorf. Spirituosenhersteller "Schilkin" ist in Bedrängnis. Mit einem sogenannten Schutzschirmverfahren will er die Insolvenz vermeiden und wieder auf Erfolgskurs kommen.

Bei dem Traditionsunternehmen ist seit dem Sommer einiges anders. Die Bänder für die Massenproduktion laufen seltener. Dafür füllen Mitarbeiter öfter Flaschen per Hand ab.

"Das bringt unter dem Strich mehr als die Massenproduktion für Discounter", sagt Geschäftsführer Peter Mier. Sein Unternehmen setze wieder mehr auf die Vermarktung eigener Produkte, wie die gegenwärtig besonders gut laufende "Berliner Luft". Der Pfefferminzlikör komme besonders bei jungen Leuten gut an.

Die Probleme bei Schilkin stammen aus dem Jahr 2011. Da erhöhten sich die Rohstoffpreise rasant. Schilkin musste aber Verträge zur Lieferung an Discounter einhalten. Pro Jahr kam ein Minus von mehreren Hunderttausend Euro zustande.

"Deshalb haben wir im Sommer die Reißleine gezogen", erklärt Mier. Schilkin meldete bei Gericht ein sogenanntes Schutzschirmverfahren an, eine mildere Form der Insolvenz. Das wurde vom Gesetzgeber erst 2012 eingeführt, um Unternehmen in Schwierigkeiten zu ermöglichen, aus eigener Kraft wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Bei Schilkin regiert kein Insolvenzverwalter, die Firmenspitze hat weiter das Sagen. Auf Wunsch von Mier nahm die Geschäftsführung ein Schwergewicht aus der Branche, Erlfried Baatz, an ihre Seite. Baatz war 28 Jahre im Oetker-Konzern tätig und leitete zuletzt das Geschäft bei Radeberger. Er hat neben einem vom Gericht bestellten Sachwalter darauf zu achten, dass bei Entscheidungen der Geschäftsführung die Interessen der Gläubiger berücksichtigt werden. "Das geschieht, indem wir Schilkin wieder auf Kurs bringen", erläutert Baatz.

In den zurückliegenden Monaten gelang es, ungünstige Verträge mit Handelskonzernen zu lösen. Peter Mier will sein Unternehmen bis Ende des Jahres, spätestens im ersten Quartal kommenden Jahres über den Berg haben. Er hält sich zu Gute, dass während des Verfahrens kein Mitarbeiter vom Stammpersonal entlassen wurde. Die Mitarbeiter seien über die Schritte auch stets informiert worden.


Harald Ritter / hari
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