Mund auf gegen Blutkrebs: Gymnasiasten werden potenzielle Stammzellenspender

Mund auf gegen Leukämie: Keine große Sache, finden Koray, Tabea und Ellen. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Mund auf, Stäbchen rein, Spender kann jeder sein: Corinna Lindenberg und Babette Gebhardt. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Hans-Carossa-Gymnasium |

Kladow. Es ist nur ein Wattestäbchen, aber es kann Leben retten. Der Andrang bei der Typisierungsaktion im Hans-Carossa-Gymnasium war enorm: 155 Schüler registrierten sich als potenzielle Stammzellenspender.

Eines Tages vielleicht ein Kind retten? Das spornt an, wie die Typisierungsaktion am 24. März im Hans-Carossa-Gymnasium zeigte. Bis auf den Flur warteten die Schüler, um sich als mögliche Stammzellenspender registrieren zu lassen. Mehr als ein simpler Wangenabstrich war dazu nicht nötig. 155 Gymnasiasten machten mit, griffen zu zwei Wattestäbchen und strichen sich damit Hautzellen von der Schleimhaut ihrer Wangen ab. Zwei Minuten trocknen lassen, noch schnell den Fragebogen ausgefüllt und schon war jeder registriert. Keine große Sache, bestätigten Ellen, Koray und Tabea. „Anderen zu helfen ist für mich selbstverständlich. Vor allem, wenn es so leicht geht“, sagte der 17-jährige Koray. „Das machen noch viel zu wenige“, ergänzte Ellen. „Wenn man Leben retten kann, dann sollte man es tun.“

Und in der Tat: Mit der Aktion unterstützten die Schüler ein lebenswichtiges Projekt. Alle 15 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, darunter häufig Kinder und Jugendliche. Vielen kann nur eine Stammzellentransplantation das Leben retten. Vorausgesetzt, ein passender Spender wird auch gefunden. Genau darum organisierte die Schule diese Aktion im Rahmen des Projektes „Schüler helfen Leben retten“ gemeinsam mit der DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Begonnen hatte sie mit Infovorträgen in der Aula und einem Erfahrungsbericht des Stammzellenspenders Sebastian Bauer.

Den Anstoß zur Registrieraktion gab Biologielehrerin Corinna Lindenberg. Ihre Schwägerin erhielt mit 33 Jahren die schockierende Diagnose Leukämie. „Sie brauchte dringend eine Blutzellenspende, aber in der Spenderdatei fand sich niemand mit den nahezu gleichen Gewebemerkmalen im Blut wie sie“, so Corinna Lindenberg. Deshalb sei es so wichtig sich typisieren zu lassen. Sie selbst tat es als sie noch Schülerin war. „Ich bin begeistert, dass heute so viele meiner Schüler freiwillig mitmachen.“

Der Erfolg der Typisierungsaktion beeindruckte auch Babette Gebhardt von der DKMS Berlin. „Leben spenden sollte aber noch mehr Schule machen. Berlin ist hier noch ein großes unbehauenes Brett.“ Auch in Spandau lief die Aktion zum ersten Mal an einer Schule. „Eine gewisse Vorbereitung gehört natürlich dazu“, sagte Babette Gebhardt. Es brauche Räume, Helfer vor Ort und vor allem Zeit, die Pädagogen oft nicht haben. Umso mehr freute es sie, dass auch Lehrer und Henning Rußbült als Leiter des Hans-Carossa-Gymnasiums Engagement zeigten und sich mit ihren Schülern typisieren ließen. Außerdem sammelten die Schüler bei einem Kuchenbasar 420 Euro für die DKMS.

Die abgegebenen Proben analysiert das Labor der DKMS jetzt auf die Gewebemerkmale und nimmt sie in ihre Datei auf. Die Daten der 17-jährigen Schüler bleiben aber zunächst bis zu ihrem 18. Geburtstag gesperrt und stehen der weltweiten Suche nach Stammzellspendern erst mit ihrer Volljährigkeit zur Verfügung. Spender werden kann jeder Mensch zwischen 17 und 55 Jahren, der an keiner chronischen Krankheit leidet. uk

Mehr Informationen über die DKMS gibt es unter www.dkms.de.
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