Männergesangsverein "Eintracht Cladow 1919" hat sich aufgelöst

Immer freitags traf sich der Männergesangsverein "Eintracht Cladow 1919" im Restaurant Kladower Hof an der Sakrower Landstraße 14 zu Proben. (Foto: MGV)

Kladow. Mit der Auflösung des Männergesangsvereins "Eintracht Cladow 1919" hat der Spandauer Süden eine traditionelle Institution verloren. Im Vereinslokal, dem Kladower Hof, Sakrower Landstraße 14, trafen sich am 28. März die verbliebenen acht Sänger unter Vorsitz von Reinhard Arendt. Einziger Tagesordnungspunkt: Die Auflösung des Vereins.

"Wir bedauern das sehr, aber uns blieb einfach nichts anderes mehr übrig", begründet Arendt den Entschluss. Mit nur noch acht, teils hochbetagten Sängern und ohne jegliche Aussicht auf jüngeren Nachwuchs sei dieser Schritt unvermeidlich gewesen. Immerhin plane man, sich dennoch wie gewohnt am Freitagabend zum Plausch bei Wirtin Inge Groß zu treffen. "Dabei wird wohl auch noch ein Lied gesungen werden, aber Auftritte des Chors wird es nicht mehr geben", so Arendt weiter.

Bestürzt über das Ende des Traditionschors zeigt sich Horst Steindorf. Als Chronist der Spandauer Chorlandschaft recherchiert Steindorf seit 2010 die Geschichte der bisher ermittelten 184 Spandauer Gesangsvereine. "Ich bin stolz auf die Leistungen unserer Chöre, aber umso trauriger macht mich die sehr negative Entwicklung der Männergesangsvereine", sagt er. So versuche etwa Otto Ruthenberg, den "Männer-Chor Spandau 1866" noch am Leben zu erhalten, damit er 2016 sein 150-jähriges Bestehen noch feiern kann. Die Nachricht aus Kladow treffe ihn nun wie ein Schlag.

Am 4. April 1919, einem Freitag, hatten sich im Kladower Gasthaus Herms in fröhlicher Runde eine Handvoll sangesbegeisterter Kladower getroffen und den "Männergesangsverein Eintracht Cladow 1919"(MGV) gegründet. Dabei unterlief den Gründern nicht etwa ein Schreibfehler, denn Kladow schrieb man damals noch mit einem C. Bei dem Freitag ist es allerdings geblieben. Jede Woche trafen sich die Männer vom Kladower Chor an diesem Tag zur Probe. Von 20 bis 22 Uhr wurde bei Inge Groß im Kladower Hof die Stimme geschult - und natürlich auch "geölt".

Bunt gemischt

Die Mitglieder des Männergesangsvereins waren bunt gemischt - es ging quer durch Parteien und Konfessionen, Handwerker und Angestellte, Landwirte, Beamte und Selbstständige waren dabei.

Die zunehmende Militarisierung in den Zeit des Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und die schwere Nachkriegszeit brachten das Chorleben fast zum Erliegen. Erst 1952 wurde es mit 28 Sängern wieder aufgenommen. Als eines der ersten Lieder wurde "Wer hat Dich, Du schöner Wald" von Mendelssohn Bartholdy gesungen. Zu verdanken war das jenen Kladower Frauen, die die Notenblätter des unter der Naziherrschaft verbotenen Liedes versteckt hatten. Sicher unvergessen bei älteren Kladowern sind die alljährlichen Sängerbälle im Seglerheim an der Imchenallee, das damals einen Mittelpunkt der Geselligkeit und des Kladower Kulturlebens bildete.

Gewürdigt wurden die kulturellen und gesellschaftlichen Leistungen der singenden Kladower Männer 2002 durch die Verleihung des "Walter-Böttcher-Preises" des Kulturvereins Kladower Forum. Beim 90-jährigen Jubiläum gehörten 2009 noch 16 Männer zu den Aktiven des Vereins. Jetzt mussten die letzten Verbliebenen die Segel streichen.


Michael Uhde / Ud
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