Schloss Brüningslinden und andere, verschwundene Dinge

Im Juli 1990 kamen sich Kladower und Sacrower wieder näher. (Foto: Archiv Spandauer Volksblatt)

Kladow. Über einen langen Zeitraum geht manches verloren. 750 Jahre Kladow sind auch ein guter Anlass, an Verschwundenes zu erinnern.

Der Name klingt poetisch: Schloss Brüningslinden. Älteren Spandauern ist er noch ein Begriff. Der Rittmeister a.D. Ernst Rütger von Brüning ließ das Gebäude in den Jahren 1910 und 1911 an der Sakrower Landstraße 129-131 errichten. Der vermögende Offizier war Sohn von Dr. Adolf Brüning, Mitbegründer der Farbwerke Hoechst AG.

Das vom Architekten Georg Siewert entworfene Gebäude mit Teehaus sollte auch die Mitbringsel von Brünings ausgedehnten Reisen beherbergen. Prominente Mitglieder der Berliner Gesellschaft der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren hier zu Gast.

Clubheim und Hauptquartier

Doch dann geriet Brüning in finanzielle Schwierigkeiten. 1929 vermietete er seine Immobilie an den Automobilclub von Deutschland, der sie als Clubheim für Motorbootfahrer nutzte. 1935 erwarb Max Gruban, Eigentümer des Weinhauses Gruban und Souchay, das imposante Haus. Es wurde Restaurant und Hotel.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war Brüningslinden kurze Zeit Hauptquartier des Britischen Oberbefehlshabers, dann Erholungsheim für jüdische Kinder. Dann war es wieder Gastronomie, der ab 1960 noch ein Märchenwald mit Kindereisenbahn zusätzliche Kundschaft besorgen sollte. Doch schließlich rechnete sich dieser Betrieb nicht mehr. 1972 kaufte die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah das Gelände. Brüningslinden wurde trotz des Protests vieler Kladower abgerissen.

Doch etwas ist aus dem verschwundenen „Schloss“ wieder zurückgekehrt: Der venezianische Löwenbrunnen ist aus dem Wilmersdorfer Exil zurückgekehrt ans Haus des Kladower Forums in der Mitte der Ortschaft.

Bockwindmühle

Auch Ländliches ist verschwunden. Am Ritterfelddamm 25-27 stand seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Bockwindmühle. Sie wurde gegen Ende des Jahrhunderts von einer Motormühle ersetzt, bleib aber wohl noch, zunehmend verfallend, bis 1908 dort stehen.

Verschwunden ist auch die Grenze, die bis 1989 Kladow einschnürte. Jetzt sind Wege zu brandenburgischen Kleinoden wie der Sacrower Heilandskirche oder auch in die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam recht kurz geworden. CS
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