Acht Jahre Recherche: Kladower veröffentlicht E-Book über Flughafen Staaken

In diesem Buch fand Uwe Mehlitz einen Artikel aus dem Jahr 1919 über den Flugzeugbau in Staaken. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Das Cover vom neuen E-Book. (Foto: Uwe Mehlitz)

Kladow. „Riesenzigarren und silberne Kraniche über Berlin“ heißt das E-Book von Uwe Mehlitz über den legendären Flughafen Staaken. Nach acht Jahren Kleinarbeit und Recherche hat der Kladower es jetzt veröffentlicht. Es verrät neue und überraschende Details.

Auf den ersten Blick ist nichts mehr zu erkennen. Auf den zweiten auch nicht. „Man muss schon genauer hinschauen, um Spuren in der Landschaft zu entdecken“, sagt Uwe Mehlitz. Denn heute erinnert nur noch eine kleine Straße mit dem Namen „Am Zeppelinpark“ an den früheren Flug- und Luftschiffhafen Staaken, der längst mit Sonnenkollektoren und Gewerbe bebaut ist.

Und doch: „Es gibt noch ein paar Gebäude, die von der damals einzigen Luftschiffwerft der Hauptstadt und dem späteren Verkehrsflughafen zu sehen sind“, sagt Mehlitz. Werkshallen zum Beispiel. Oder der Tower. Sonst aber ist die Heimat der „Riesenflugzeuge“ (Bomber), der „Metropolis-Filmkulissen“ und der Zeppeline verschwunden.

Doch verschollene Orte ziehen bekanntlich magisch an. Und so wundert es nicht, dass über den Flughafen Staaken schon viel geforscht, dokumentiert und geschrieben wurde. Nun führt wieder eine Reise zu diesem legendären Ort, den die meisten nur aus Büchern und Erzählungen kennen. Es ist das jetzt veröffentlichte E-Book von Uwe Mehlitz. „Riesenzigarren und silberne Kraniche über Berlin. Der Luftschiff- und Flughafen Staaken. Ein besonderer Ort der Luftfahrtgeschichte“ hat der Kladower es genannt. In 17 Kapiteln erzählt Uwe Mehlitz auf knapp 500 Seiten die bewegte Geschichte eines Flughafens, der über 30 Jahre lang Luftfahrtgeschichte in vier politischen Systemen schrieb.

Das Besondere an dem Digitalbuch sind die Quellen, die Uwe Mehlitz nutzte. Er hat nicht nur Archive und Fachbücher durchforstet, sondern auch damalige Tageszeitungen wie die „Vossische Zeitung“, das „Berliner Tageblatt“ oder die „Berliner Volkszeitung“ gelesen und Zeitzeugen oder ihre Kinder befragt. „Ich wollte nicht nur bloße Akten studieren, sondern auch die Zeit und den Zeitgeist verstehen und wieder aufleben lassen“, sagt der 59-Jährige. So förderte er in acht Jahren Recherche Erstaunliches und Überraschendes zutage. So war Staaken einer der ersten Flughäfen Deutschlands und kein Flugplatz. Zwar fehlte an Organisation fast alles, was man heute von modernen Terminals kennt. Doch Staaken erfüllte mit Start- und Landebahnen, ärztlicher Versorgung, Hallen, Werkstätten und Schaltern die damaligen Standards eines Verkehrsflughafens. „Wer von Staaken aus fliegen wollte, musste sich das Ticket vorher im Reisebüro besorgen“, erzählt Uwe Mehlitz. „Am Flughafen wurden die Passagiere dann in eine durchaus moderne Wartehalle geführt. Von dort bestiegen sie direkt das Flugzeug.“ Für „Bedarfsflüge“ wurde der Flughafen außerdem schon ab 1919 genutzt. „Und nicht erst 1922, wie viele denken“.

Im Internet ersteigerte Mehlitz auch seltene Dokumente wie den Arbeitsvertrag eines technischen Angestellten bei der damaligen Lufthansa. „Der verdiente 1937 genau 252 Reichsmark. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er arbeitslos und bat die Lufthansa in einem Brief um einen neuen Job.“ Seinen Lufthansa-Helden hat Uwe Mehlitz im E-Book „Willi Meyer“ genannt.

Eine Messerschmidt steht noch heute im Museum - in Südafrika

Aber auch kaum bekannte und neue Luftfahrt-historische Fakten hat der Kladower entdeckt. So ist unter Historikern unklar, was mit den „Zeppelin CL2“-Flugzeugen passierte, die in Staaken gebaut wurden. Nur der Antrag für die Ausfuhrgenehmigung ist bekannt. Uwe Mehlitz recherchierte und wurde in der Datenbank der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich fündig. Danach wurden die Zeppeline an das Schweizer Heer verkauft und dienten dort bis 1928 als Aufklärer. Seine Reise in die Geschichte führte Uwe Mehlitz sogar bis nach Südafrika. So fand er heraus, dass ein Modell der „Me 262“ heute noch im „South African Army Museum“ in Johannesburg zu sehen ist. „Diese Messerschmitts wurden im Zweiten Weltkrieg in Staaken zu Nachtstrahljägern umgebaut.“ Die Briten hatten den Nachtjäger erbeutet und nach Südafrika verschifft.

Uwe Mehlitz könnte noch viel mehr erzählen. „Die Leute sollen doch mein E-Book lesen.“ Er lacht. „Da steht alles drin.“ Erhältlich ist es bei den E-Book-Verlagen Thalia und Weltbild oder im „Kindle“-Format bei amazon. An eine überarbeitete Ausgabe denkt Uwe Mehlitz heute schon. „Über den Flughafen Staaken zu schreiben, ist eine Arbeit, die nie endet. Das ist ein Lebensprojekt.“ Obwohl: Auch der frühere Segelflugplatz Gatow reizt den Kladower schon länger. Aber das ist dann eine andere Geschichte. uk
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