Hauptmann abmontiert: Farbiges Wandbild wurde vorerst eingelagert

In kurzer Zeit wurde das riesige Hauptmann-Comic an der Wendenschloßstraße abmontiert. (Foto: Ralf Drescher)

Köpenick. Der Hauptmann von Köpenick ist weg! Welcher? Na der an der Hausfassade in der Wendenschloßstraße.

Ein Hubsteiger, zwei Mann, und in weniger als einer Stunde war der Hauptmann von Köpenick weg. Allerdings nicht geklaut, sondern fachgerecht eingelagert. Denn die Seitenfassade des Hauses Wendenschloßstraße 135 wird bald nicht mehr zu sehen sein. Auf dem Nachbargrundstück werden Wohnungen gebaut. „Deshalb musste das Wandbild jetzt abgebaut werden. Es soll aber unbedingt in Köpenick bleiben und bald an einer neuen Fassade an die tragische Geschichte des Hauptmanns von Köpenick erinnern“, sagt Sozialarbeiter Jürgen Putze-Denz.

Der leitet nämlich die „Plattengruppe“, das älteste Wohnprojekt für Obdachlose im Bezirk. Und in deren Auftrag war das Hauptmann-Bild im Herbst 2012 vom Künstler Achim Purwin geschaffen worden. Purwin, selbst im Bezirk wohnhaft, ist eine Art Hauptmann-Spezialist. Er hat bereits Etiketten für Hauptmann-Biere, passende Bierdeckel dazu, Moritatentafeln für das Hauptmann-Musical und aktuell ein Comicheft mit der schrecklichen Geschichte des Schusters Wilhelm Voigt gestaltet. In weiser Voraussicht auf eine Bebauung des Nachbargrundstücks wurde das zehn Meter hohe und 100 Quadratmeter große Wandbild nicht auf die Fassade, sondern auf elf einzeln montierte Aluminiumtafeln gemalt. Die Vergrößerung des Künstlerentwurfs und die Montage hatten Azubis der Helmut-Ziegner-Berufsbildung übernommen.

Die „Plattengruppe“ hatte sich seinerzeit für das Wandbild eingesetzt, weil das Hauptproblem des Schusters Voigt – keine Wohnung, keine Arbeit und keine Arbeit, keine Wohnung – auch heute noch ein Problem für viele Obdachlose darstellt. Erst seine Bekanntheit nach dem Gaunerstreich in Köpenick im Oktober 1906 hatte Wilhelm Voigt die Rückkehr in ein bescheidenes bürgerliches Leben ermöglicht. Auch daran soll das Wandbild bald wieder erinnern. Die Wohnungsgesellschaft Degewo prüft bereits, an welcher Fassade das Bild angebracht werden kann. RD
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