Bezirk und Privatpersonen setzen sich für Simran Sodhi ein

Treptow-Köpenick. Mitte März hatten wir über Simran Sodhi, die erste und bisher einzige Integrationslotsin im Bezirk, berichtet. Nun droht der jungen Inderin die Ausweisung.

Vor wenigen Tagen hatte Sodhi, die im Familienbegegnungszentrum von Offensiv 91 als Integrationslotsin tätig ist, Post von der Ausländerbehörde bekommen. Darin wurde mitgeteilt, dass ihre Aufenthaltserlaubnis nicht über den 31. Mai hinaus verlängert würde. Als Begründung führte das Amt an, dass an ihrer Tätigkeit kein öffentliches Interesse bestehe, der Job für einen Akademiker zu gering qualifiziert sei und sie damit zu wenig verdiene. Dem Gesetz nach bekommen Nicht-EU-Bürger erst bei einem Jahreseinkommen von mindestens rund 44 000 Euro ohne Probleme eine Aufenthaltserlaubnis.

Der jungen Inderin gereicht jetzt auch ihre höhere Qualifikation, sie ist studierte Germanistin und Kulturanthropologin, zum Nachteil. Als Integrationslotsin unterstützt die 27-Jährige ausländische Mitbürger, die unsere Sprache noch nicht ausreichend sprechen oder sich im Behördendschungel nicht auskennen, beim Gang zu Ämtern, Vermietern und potenziellen Arbeitgebern. Ihre Tätigkeit bei Offensiv 91 wird wie die der berlinweit tätigen rund 60 Integrationslotsen durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen regelfinanziert.

Sofort nach Bekanntgabe der drohenden Ausweisung haben sich zahlreiche Berliner für Simran Sodhi eingesetzt. Auf Initiative von Offensiv 91 hatten Bürger von Treptow-Köpenick in einem offenen Brief gegen die Behördenentscheidung mobil gemacht, zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Bürgermeister Oliver Igel, Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi, die Abgeordnetenhausmitglieder der SPD im Bezirk sowie zahlreiche Bezirksverordnete. Eine Onlinepetition unter www.change.org hatten bis Redaktionsschluss bereits über 55 000 Menschen unterschrieben.

Der für die Ausländerbehörde zuständige Innensenator Frank Henkel (CDU) hat nun die nochmalige Prüfung angeordnet und die Unterlagen angefordert. "Es besteht in hohes Interesse, dass eine Lösung für die Betroffene gefunden wird", schreibt Henkel in einer Pressemitteilung seiner Verwaltung.


Ralf Drescher / RD
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