Früherer Orchesterleiter Walter Neugebauer verstorben

Walter Neugebauer bei einem Gespräch im Jahr 2007. (Foto: Ralf Drescher)

Walter Neugebauer gehörte zu den Urgesteinen der bezirklichen Musikschule. Ende November ist der langjährige Leiter des Zupforchesters Köpenick gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Mitte Januar wurde Walter Neugebauer auf dem Friedhof der St. Laurentius-Gemeinde an der Rudower Straße beigesetzt. Neben Familienangehörigen und Freunden gaben ihm viele seiner ehemaligen Schüler das letzte Geleit.

Geboren wurde er 1930 in Halle/Saale, bereits mit sechs Jahren erhielt er Mandolinenunterricht. Das Zupfinstrument sollte ihn dann fast sein ganzes Leben begleiten. Von 1940 bis 1952 spielte er im 1. Halleschen Mandolinenorchester, danach folgten mehrere Jahre im Staatlichen Gesangs- und Tanzensemble Weimar. Ab 1960 war er Lehrer an der Musikschule Köpenick, von 1964 bis 1995 deren stellvertretender Leiter. Sein Staatsexamen in den Fächern Mandoline und Gitarre hatte er 1964 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler abgelegt.

Sein Kind war das Zupforchester Köpenick, welches er von 1967 bis 2007 selbst geleitet hat. Konzertreisen mit seinen „Zupfern“ führten ihn nach Polen, Ungarn, Tschechien und nach dem Ende der DDR auch nach Spanien, Schweden und die Schweiz.

Um sein Orchester immer mit den in Vorwendezeiten schwer erhältlichen Noten zu versorgen, war Walter Neugebauer erfinderisch. Er lieh sich Notensätze von Berufskollegen, die wurden dann als Fotokopien vervielfältigt. Dabei lernte ich Walter Neugebauer Mitte der 80er-Jahre kennen. Ich arbeitete nämlich in jenem privaten Köpenicker Fotolabor, in dem die eigentlich illegale – wegen des Urheberrechts – Kopienfertigung stattfand. Damit die „Zupfer“ Material für ihre Konzerte hatten, habe ich damals Tausende Notenblätter abgelichtet.

In den Jahrzehnten seines Schaffen entstanden gemeinsam mit seinen Musikern rund 400 Werke für Radio, Schallplatte und Fernsehen. Walter Neugebauer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, 2004 wurde er als Ehrenmitglied vom Bund Deutscher Zupfmusiker (BDZ) geehrt. Der BDZ und sein Köpenicker Zupforchester haben sein Werk in Nachrufen gewürdigt.
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