Acht Stolpersteine für jüdische Nachbarn verlegt

Dieser Stein erinnert in Alt-Köpenick an Kaufhausinhaberin Emilie Cohn. (Foto: Ralf Drescher)

Köpenick. Seit 1996 erinnert der Künstler Gunter Demnig mit Stolpersteinen an von den Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Mitbürger. Jetzt wurden wieder acht der kleinen Erinnerungsplaketten verlegt.

Alt-Köpenick 34, in Sichtweite des Köpenicker Rathauses. Wo sich zu DDR-Zeiten der Glas- und Porzellanladen von "Scherben-Willi" befand, residierte bis in die 30er Jahre das Kaufhaus Lichtenstein. Emilie Cohn führte bis in die NS-Zeit das Geschäft ihres 1910 verstorbenen Mannes. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten musste sie schließen. Emilie Cohn wurde am 26. Februar 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet. Die Patenschaft für den Stolperstein hat der heutige Nutzer des Geschäftshauses, der Pflegedienst Schwester Christiane, übernommen.Vor dem Seniorenheim in der Mahlsdorfer Straße 94 liegen jetzt drei Stolpersteine. Sie erinnern an Vera, Heinrich und Ruth Kohn. Die junge Familie wohnte im Pförtnerhaus des damaligen jüdischen Altersheims. Mit ihrer vierjährigen Tochter Ruth wurden die Eheleute am 26. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort umgebracht. Die Initiative für diese Steine ging von Dafna Baygan aus Israel aus. Für 16 ermordete Familienangehörige von ihr liegen jetzt Stolpersteine in vier Berliner Bezirken.

In Alt-Müggelheim 17 erinnert ab sofort ein Stolperstein an Herta Milke. Die Müggelheimerin war 1943 in Auschwitz ermordet worden. An gleicher Stelle erinnert seit April 2012 ein Stein an ihre Tochter Ursula. Auch sie war wegen ihrer jüdischen Abstammung verfolgt und umgebracht worden. Um die Stolpersteine in Müggelheim kümmert sich die Junge Gemeinde der Evangelischen Kirche. In der Rahnsdorfer Seestraße erinnern drei Stolpersteine an Elisa, Heinz und Felix Guter. Die Mutter war bereits 1942 verstorben und fand auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee ihre letzte Ruhe. Witwer Heinz Guter wurde am 4. März 1943 mit dem 13-jährigen Sohn Felix nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die heutige Hauseigentümer sorgte für diese Steine.

Verlegt werden die Stolpersteine von Gunter Demnig, einem Kölner Künstler mit Berliner Wurzeln. Seit der ersten, damals noch illegalen Aktion 1996 hat Demnig berlinweit bereits 5000 Stolpersteine verlegt. In ganz Deutschland und angrenzenden Ländern liegen über 38 000 Stolpersteine

Vielfach übernehmen Verwandte, örtliche Initiativen oder die heutigen Nutzer der Häuser, in denen einst die Ermordeten lebten, die Kosten (rund 120 Euro) für einen Stolperstein.

Datenbank zu allen Stolpersteinen unter www.stolpersteine-berlin.de. Dort erfährt man auch, wie man sich dafür einsetzen kann.

Ralf Drescher / RD
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