Anwohner erkämpfen eine Vereinbarung zur Modernisierung

Köpenick. Fast ein Jahr haben die Mieter im Köpenicker Märchenviertel gekämpft, jetzt liegt eine Modernisierungsvereinbarung auf dem Tisch. Der Berliner Mieterverein hatte sich für eine Verständigung zwischen Bewohnern und neuem Eigentümer eingesetzt.

Mitte Januar hatten die Bewohner der Mittelheide erfahren, dass ihre einst kommunalen Wohnungen von der GSW an einen privaten Immobilienunternehmer verkauft worden waren. Bald flatterten ersten Mietern Modernisierungsankündigungen ins Haus, die starke Mietsteigerungen befürchten ließen. Außerdem wurde bekannt, dass die Berner Group als neuer Eigentümer die Umwandlung und den Verkauf als Eigentumswohnungen plant (wir berichteten).Nach langwierigen Verhandlungen, begleitet von Anwohnerprotesten und Auftritten erboster Mieter in der Bürgerfragestunde der Bezirksverordnetenversammlung, wurde jetzt eine Modernisierungsvereinbarung unterzeichnet. Darin wird die Kündigung wegen Eigenbedarfs und Hinderung angemessener wirtschaftlicher Verwertung ausgeschlossen. Einbauten der Mieter wie Einbauküchen sind geschützt. Modernisierung wie der Anbau von Balkonen wirkt sich nicht auf die Miete aus. "Wir gehen davon aus, dass die Mieter nun vor Verdrängung geschützt sind und eine sozial verträgliche Modernisierung erfolgt", teilt Reiner Wild, der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, mit.

Die Vereinbarung gilt zunächst für rund 400 Wohnungen, die von der Pro Mittelheide GmbH, einer Tochter der Berner Group, übernommen worden waren. Für die bereits 2011 an eine andere Tochter des Unternehmens verkauften Wohnungen wird eine ähnliche Regelung angestrebt.

Das Märchenviertel war von 1919 bis 1930 nach Plänen des Architekten Otto Rudolf Salvisberg errichtet worden, es steht unter Denkmalschutz. Deshalb ist auch der Anbau von Balkonen zumindest umstritten. Allerdings sieht das ein Teil der Mieter durchaus positiv. In einem Imagefilm verspricht die Berner Group potenziellen Käufern von Märchenviertel-Wohnungen steigende Preise und Mieten in begehrten Wohnlagen. Auch das hatte bei den Bewohnern für Wut und Unruhe gesorgt.


Ralf Drescher / RD
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