Blick ins Pumpwerk an der Wendenschloßstraße

André Ahrend am denkmalgeschützten Schaltpult des alten Pumpwerks. Das würden die Wasserbetriebe gern verkaufen. (Foto: Ralf Drescher)

Köpenick. Das Wasser kommt aus dem Wasserwerk am Müggelsee. Wenn wir es nicht mehr brauchen, ziehen wir Stöpsel oder WC-Spülung und weg ist es. Aber wo kommt das Köpenicker Abwasser hin?

An der Wendenschloßstraße 86, zwischen Stichkanal und neuem Vattenfall-Umspannwerk, steht ein unscheinbarer Plattenbau der 1980’er Jahre, das Pumpwerk Köpenick 1 der Wasserbetriebe. Über zwei Rohre gelangt das Abwasser aus den Ortsteilen hier in den sogenannten Saugraum und von da in die Elektropumpen. "Das Abwasser in den Haushalten wird von Überpumpwerken in Hessenwinkel, am Finkeldeweg in Wendenschloß, am Generalshof, in der Nähe von Rübezahl und in Hessenwinkel zugefördert", erläutert André Arendt, bei den Wasserbetrieben für die Pumpwerke in Köpenick und Lichtenberg zuständig.

Die kräftigen Elektropumpen häckseln fast alles, was vom Saugraum kommt. Die Maschinen in den zuliefernden Überpumpwerken sind leider nicht so leistungsfähig. "Viele nutzen die Toilette leider auch als Mülleimer. Wir fischen dann Kondome, Damenbinden und Handtücher aus unseren Pumpen. Hessenwinkel ist besonders oft von Ausfällen betroffen. Neulich stand eine Pumpe mehrere Stunden still, weil sich eine Gabel verklemmt hatte", ärgert sich Ahrendt.

Geklärt wird das Abwasser der Köpenicker in der Wendenschloßstraße nicht. Über zwei mächtige Rohre gelangt es in das Klärwerk Münchehofe gleich hinter Friedrichshagen auf Brandenburger Gebiet. Wenn der Wind ungünstig steht, können die Friedrichshagener ihre Abwässer "erschnuppern". Und nach doppelter Klärung in Münchehofe fließt das Wasser nach Köpenick zurück. Über den Klärwerksableiter erst in die Erpe und mit dieser dann bei Hirschgarten in die Spree.

Vom Abwasser ist im Pumpwerk übrigens weder etwas zu sehen, noch zu riechen. Der Saugraum ist aus Sicherheitsgründen, falls giftige und explosive Gase entstehen, geruchsdicht verschlossen. Das Pumpwerk ging 1986 in Betrieb, es wurde mehrfach modernisiert. Statt einer Schaltwarte gibt es einen Raum, in dem ein paar Computerschränke stehen. Gesteuert wird alles per Datenleitung von der Zentrale der Wasserbetriebe in der Holzmarktstraße.

Auf der anderen Seite der Wendenschloßstraße steht übrigens noch das alte Pumpwerk Köpenick. Es wurde nach Ideen von Hugo Schüssler gebaut und lief von 1906 bis 1986. Der Köpenicker Stadtrat hatte seinerzeit ähnliche Anlagen in England besichtigt. Das Gebäude und die 100 Jahre alten Pumpen würden die Berliner Wasserbetriebe gern verkaufen. Ein Käufer müsste aber den Denkmalschutz beachten.


Ralf Drescher / RD
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