Kurt Volkmann sucht dringend einen Nachfolger

Igelretter Kurt Volkmann untersucht am Mikroskop, ob die Igel Würmer haben. (Foto: Ralf Drescher)

Köpenick. [Hinweis der Redaktion, 15.10.2014: Herr Volkmann musste inzwischen sein Engagement für die Igel aufgeben. Bitte beachten Sie, dass er nicht mehr als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Wenn Sie Fragen zu Igeln und ihrem Schutz haben, wenden Sie sich am besten an den Nabu. Alle Infos dazu auf berlin.nabu.de/nabuaktiv/fachgruppen/igelschutz.] Die Dornröschenstraße 37 im Märchenviertel ist seit 30 Jahren eine gute Adresse für Menschen, die Igeln helfen wollen. Dort wohnt Kurt Volkmann (83), ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Fachgruppe Igelschutz des Naturschutzbunds Deutschland.

Beruflich hatte Volkmann mit Naturschutz eigentlich wenig zu tun, er war zu DDR-Zeiten Verwaltungsangestellter bei der Bezirksdirektion für Straßenwesen. Auf der Heimfahrt von einem Urlaub in der Hohen Tatra vor gut 30 Jahren rückte der Igel in sein Blickfeld. "Auf den Straßen zwischen Prag und Berlin lagen Hunderte tote Igel. Da kam mir die Idee, mich um die geschützten Stacheltiere zu kümmern", erzählt der Rentner in seiner Igelpraxis. Dafür hat er ein Zimmer seines Hauses reserviert. Im Raum stehen Schränke mit Medikamenten, ein Sterilisator, Schachteln mit Spritzen und ein imposantes Zeiss-Mikroskop aus DDR-Produktion.Eigentlich wollte Volkmann seine ersten gefundenen Igel im Tierpark abgeben. Dort hatte der damalige Direktor Heinrich Dathe in der Futterküche eine Art Igelstation einrichten lassen. "Dort wurden die Tiere in einen riesigen Berg mit Heu gesteckt. Da habe ich meine Igel lieber schnell wieder mitgenommen, weil mir das nicht artgerecht erschien", erinnert sich Kurt Volkmann.

Weil es nach den Bestimmungen des Artenschutzes auch in der DDR nicht gestattet war, geschützte Tiere privat aufzunehmen, bekam die Volkmannsche Igelstation schnell einen offiziellen Anstrich. Der zuständige Oberförster ernannte ihn zum Bezirksbeauftragten für Igelschutz.

Fast alles, was man an Wissen braucht, um hilflose Igel zu betreuen, hat sich Volkmann in den Jahren selbst erarbeitet. Viele Tierärzte sind auf Haustiere wie Hund und Katze spezialisiert und können nur begrenzt helfen. Selbst das Mikroskopieren hat sich Igelschützer Volkmann selbst beigebracht. Anhand von Kotproben stellt er fest, ob die Igel von Würmern befallen sind. "Für die Therapie ist es wichtig zu wissen, ob das Tier von Lungen- oder Darmparasiten befallen ist. Die Igel nehmen die Würmer auf, wenn sie Schnecken, ihre Lieblingsspeise, fressen", erläutert Volkmann.

Igel sucht man in seinem Haus übrigens vergeblich. Nur in einer Vitrine stehen zahlreiche Igel aus Glas, Porzellan und anderen Materialien, Souvenirs von dankbaren Igelfreunden. Seit dem Tod seiner Frau Hannelore vor einigen Jahren hat er die Pflege in andere Hände gegeben und kümmert sich nur noch um Diagnose und Therapie bei kranken Tieren.

Seit Jahren sucht Volkmann dringend nach einem deutlich jüngeren Nachfolger, der den Igelschutz im Raum Köpenick übernehmen kann. Dem würde er gern innerhalb von zwei oder drei Jahren das nötige Wissen beibringen und dann das große Zeiss-Mikroskop weitergeben.

Igel stehen übrigens auch in der Bundesrepublik unter strengem Schutz und dürfen eigentlich nicht mit nach Hause genommen werden. Ausnahmen macht das Gesetz aber bei hilfebedürftigen Tieren. "Das ist der Fall, wenn sie bis zum Beginn des Winterschlafs unter 500 Gramm wiegen, damit würden sie nicht über den Winter kommen", sagt Kurt Volkmann. Wer einem solchen Igel helfen möchte, der bekommt bei ihm alle Tipps für die Pflege. Und sollte der Igel krank sein, kümmert er sich auch um die Behandlung. "Im Frühjahr muss der Igel aber wieder in Freiheit gesetzt werden", sagt Kurt Volkmann.

Igel werden übrigens trotz des Engagements von Kurt Volkmann und anderen Tierschützen nach wie vor im Straßenverkehr getötet. Nur in Deutschland rund eine Million pro Jahr.


Ralf Drescher / RD
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