Lidl-Einkaufsmarkt in der Lindenstraße macht dicht

Am 9. Februar schließt Lidl an der Lindenstraße. (Foto: RD)

Köpenick. Für gut zehn Jahre war der Lidl-Markt für Anwohner zwischen Bahnhof- und Lindenstraße verlässliches Zentrum für die Nahversorgung. Nun macht der Markt dicht.

Zuerst gab es Gerüchte, seit einigen Tagen vermelden es mehrere Plakate: Am 9. Februar um 16 Uhr schließt Lidl in der Lindenstraße 18-20 für immer."Unser Wohngebiet hat dann keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Um zum Einkaufen ins Forum Köpenick oder zu Kaufland zu kommen, muss man Bus oder Bahn benutzen, das kostet Fahrgeld", ärgert sich Leserin Christa Bork. Sie verweist darauf, dass viele ältere Anwohner der Lindenstraße auf den Rollator angewiesen sind. "Wird Köpenick ein Dorf, das nur noch aus Eigentumswohnungen besteht?", fragt die Seniorin.

Die Berliner Woche hat bei der Lidl-Zentrale in Neckarsulm nachgefragt. "Die Kundenzufriedenheit prägt unser Handeln", teilt uns Petra Trabert von der Abteilung Presse und Medien im Vorsatz mit. "Die Filiale in Köpenick bietet nicht mehr die Voraussetzungen, um unseren Kunden unser gesamtes Sortiment anzubieten und einen bequemen Einkauf zu ermöglichen, wie er es bei Lidl erwarten darf", schreibt Petra Trabert über die Gründe für die Schließung.

Über die wirklichen Gründe, warum eine vor zehn Jahren errichtete Filiale schon wieder geschlossen wird, kann man nur spekulieren. Einer mag die Tatsache sein, dass potenzielle Kunden, die in Richtung Alt-Köpenick fahren, die Filiale wegen einer fehlenden Überfahrt über die Straßenbahngleise nur nach Wendemanöver und Umweg erreichen können. Zumindest Kunden mit Auto waren an der Lindenstraße Mangelware, der Parkplatz war meist leer. "Die Schließung war für mich eigentlich absehbar, es gibt einfach zu viele Discounter", meint Bürgermeister Oliver Igel (SPD). "Ich rate aber allen betroffenen Bürgern, sich schriftlich bei Lidl zu beschweren", sagt Igel.

Fast hilflos klingt das Angebot der Ausweichfilialen, in denen die bisherigen Kunden aus der Lindenstraße künftig einkaufen sollen: Neben Filialen am Adlergestell in Adlershof und der Chemnitzer Straße in Kaulsdorf wird noch Lidl in der Ontarioseestraße am U-Bahnhof Tierpark in Friedrichsfelde - laut Routenplaner 6,2 Kilometer entfernt - angeboten. Die Lidl-Pressestelle reichte dann noch die Filiale in der Wendenschloßstraße 9 nach - bis dort sind es mit Auto oder Fahrrad 3,5 Kilometer.

Über eine Nachnutzung des Grundstücks an der Lindenstraße konnte Bürgermeister Igel noch nichts in Erfahrung bringen, Lidl soll aber im Gespräch mit dem 1. FC Union stehen. Dafür ließ Lidl gegenüber dem Bürgermeister durchblicken, dass auch die Filiale an der Schnellerstraße in Niederschöneweide demnächst zumache.


Ralf Drescher / RD
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