Veranstaltungen zur Einschulung gefährdet

Treptow-Köpenick. Zur Einschulung könnte es in diesem Jahr in mehreren Grundschulen des Bezirks weniger feierlich zugehen. Hintergrund ist die striktere Einhaltung der Bauordnung.

In den zu DDR-Zeiten gebauten Schulen, die fast nie eine Aula haben, wird immer in der Turnhalle gefeiert. Das ist aber eine Sondernutzung, die eigentlich auch bisher genehmigungspflichtig gewesen wäre. Das Loveparadeunglück von 2010, bei dem fehlende Fluchtwege zur Tragödie führten, hat dazu geführt, dass in vielen Belangen jetzt genauer hingesehen wird - so auch bei der Sondernutzung.

Während in einer Sportstunde mit zwei Klassen etwa 50 Kinder in einer Turnhalle sind, kommen bei Einschulungsfeiern sehr viel mehr Besucher zusammen. Dafür sind die Fluchtwege - oft nur eine einzige Tür - nicht ausgelegt.

Damit Festveranstaltungen in Turnhallen möglich werden, müssen die Schulen einen Antrag auf Sondernutzung stellen. Dafür müssen wie bei einem Neubau Bauunterlagen eingereicht werden. Dafür würden vom Bezirk externe Ingenieurbüros eingesetzt, die Anträge werden von der bezirklichen Bauaufsicht geprüft. Für jede Genehmigung wären rund 2000 Euro fällig, für Einreichung und Bearbeitung bis zum Bescheid rechnet der Bezirk mit vier Monaten.

"Das ist keine wirkliche Lösung. Könnten nicht im Rahmen der allgemeinen Brandschutzkontrollen Auflagen für Festveranstaltungen in Schulturnhallen festgelegt werden?", fragt Bezirksverordnete Heike Kappel (Linke) im Gespräch mit der Berliner Woche. Sie ist Erzieherin an einer Schule und hatte das Problem mit einer Anfrage an das Bezirksamt öffentlich gemacht. In der Antwort informierte der bis Ende Juni für Schulen zuständige Stadtrat Gernot Klemm (Die Linke) auch darüber, dass bereits sieben Schulen die Nutzung ihrer Turnhallen für Einschulungsfeiern beantragt haben. Ob die Genehmigungen rechtzeitig erteilt werden, bleibt fraglich. In einer Verlegung der Feiern in die Rathäuser von Köpenick und Treptow mit ihren Festsälen sieht Kappel auch keine Lösung. "Es hat doch Tradition, dass die Schulanfänger nach der Übergabe der Zuckertüten gleich in ihre Klassenzimmer gehen", sagt sie.


Ralf Drescher / RD
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