Wolfgang Behrendt plant ein Klassentreffen nach 70 Jahren

Wolfgang Behrendt organisiert schon seit 1989 regelmäßig Klassentreffen. (Foto: Ralf Drescher)

Köpenick. In der früheren Hegelschule an der Lindenstraße lernen heute die Gymnasiasten von Best Sabel. Jene, die dort vor beinahe 70 Jahren mit Ranzen und vermutlich bescheidener Zuckertüte ins Schulleben getreten sind, wollen sich jetzt wieder treffen.

"Als wir am 1. September 1945 eingeschult wurden, waren wir 50 Mann, im wahrsten Sinn des Wortes, nämlich alles Jungs", erinnert sich Wolfgang Behrendt. Der 75-Jährige lebt in Müggelheim. Seit Januar 1989 sorgt er dafür, dass sich der Abc-Schützenjahrgang 1945 regelmäßig trifft. "Das planen wir auch in diesem Jahr, am 28. März wollen wir gemeinsam mit dem Dampfer um die Müggelberge fahren. Man weiß nie, ob es für manchen nicht das letzte Treffen ist", sagt Wolfgang Behrendt. Denn von den 49 Mitschülern sind inzwischen schon 31 verstorben.

Allerdings lädt Behrendt nicht nur jene ein, die 1945 in seiner Klasse waren. Weil es in späteren Jahren wieder mehr Lehrer und mehr Klassenräume gab, wurde die Ursprungsklasse mehrmals geteilt und dann mit anderen Klassen zusammengelegt. Später kamen auch Mädchen dazu. Für die Schiffsfahrt Ende März haben sich immerhin bereits 45 Erstklässler des Jahres 1945 angemeldet.

Auch Otto Gora, der inzwischen 90 Jahre alte Sport- und Schwimmlehrer, der mehreren Tausend jungen Köpenickern das Schwimmen beigebracht hat, ist gern gesehener Gast.

Einen Teil der Schüler hält es auch 70 Jahre nach der Einschulung noch in Treptow-Köpenick. Andere wohnen in Holzminden, Bonn, Chemnitz oder Flensburg. Auch von diesen Schulkameraden kommen einige zum Treffen nach Berlin. Nur ein Mitschüler bleibt verschwunden. "Ingo Häke ist später nach Kanada ausgewandert, von ihm haben wir leider keine Spuren mehr gefunden", erzählt Wolfgang Behrendt.

Wenn die Abc-Schützen des Jahrgangs 1945 dann auf dem Ausflugsschiff sitzen, werden sicher viele Geschichten von einst die Runde machen. Wobei die Zeit vier Monate nach Kriegsende auch in Köpenick keine wirklich gute war. "Wir hatten einen Deutschlehrer, der war trotz Untergang des NS-Regimes ein Nazi geblieben. Wer nicht spurte, bekam Schläge mit dem Rohrstock auf die Finger", erinnert sich Wolfgang Behrendt.

Ein paar Plätze sind auf dem Dampfer noch frei. Wer auch mit Wolfgang Behrendt in eine Klasse gegangen ist und am 28. März mitfahren möchte, kann sich noch melden: 654 28 12.

Ralf Drescher / RD
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