Berlins Solarflotte ist mit vier Booten jetzt komplett

Nach der Taufe fuhr der "Fähr Bär" eine Ehrenrunde vor der Eastside-Galerie und dann zur Einsatzstelle nach Schmöckwitz. (Foto: Ralf Drescher)

Treptow-Köpenick. Seit Anfang April ist die Flotte der Berliner Solarfähren komplett, vier der in Stralsund gebauten Schiffe schaukeln jetzt auf Spree und Dahme. Zuvor wurden sie jedoch zünftig getauft.

"Fähr Bär" 1 bis 4 heißen die Solarkatamarane, die auf den vier maritimen BVG-Linien zwischen Baumschulenweg und Müggelheim unterwegs sind. Die Schiffe für bis zu 49 Passagiere, zehn Fahrräder und zwei Rollstühle sind behindertengerecht ausgestattet, entsprechend einer Forderung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Deshalb durfte auch Gabriele Senftleben, selbst Rollstuhlfahrerin und Mitglied im Netzwerk behinderter Frauen Berlin, die sich dort für Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr engagiert, die Flasche mit Rotkäppchen-Sekt gegen den Schiffskörper schmettern. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) hatte dem Projekt Solarfähre bereits Vorschusslorbeeren zukommen lassen. "Mehr Barrierefreiheit, mehr Platz für Kinderwagen und Fahrräder und das verbunden mit einem energieeffizienten und schadstoffarmen Antrieb, das ist ein mustergültiges Beispiel. Solche Projekte brauchen wir für Berlin", sagte er am Rand der Schiffstaufe. Die Weiße Flotte Stralsund hatte die Ausschreibung für die vier Fährlinien im Südosten der Stadt gewonnen. In weniger als einem Jahr mussten dann die Katamarane gebaut werden. Das hat das Stralsunder Unternehmen Formstaal übernommen. Die Schiffe sind jeweils mit 70 Quadratmetern Solarfläche ausgestattet. Der Strom wird in Batterien gespeichert, in der Nacht werden die Akkus über den Landanschluss zusätzlich aufgeladen. Die Elektromotoren sorgen für eine Spitzengeschwindigkeit von acht Kilometern pro Stunde, möglich ist kurzzeitig - zum Beispiel für Ausweichmanöver - Tempo 13.

Die Fähren F 11 und F 12 in Baumschulenweg und Wendenschloß sind bereits seit 1. Januar unterwegs. Dort gab es bereits "Lehrgeld" zu zahlen, die Fähre F 11 musste nach Ausfall des Bugstrahlruders einige Tage durch die alte Dieselfähre vertreten werden. "Wir haben daraus gelernt und das betroffene Ruder bei allen Schiffen mit einem zusätzlichen Schutzkorb versehen. Nun dürfte es nicht mehr zu Schäden durch Treibgut kommen", sagt Thomas Kühmstedt, Prokurist der Bauwerft Formstaal.

Die Fähren F 11 und F 12 sind im Zehn- bis 20-Minutentakt unterwegs. Die Fähre F 21 Krampenburg-Schmöckwitz fährt jede halbe Stunde. Die Fähre F 23 Fährt einmal pro Stunde vom Müggelwerderweg über Müggelhort und Neu-Helgoland zur Kruggasse im alten Fischerdorf Rahnsdorf. Sie ist nach dem Wegfall der traditionellen Ruderfähre die einzige Möglichkeit, von Müggelheim nach Rahnsdorf zu gelangen. Da die Anleger in Müggelhort und Kruggasse noch fertiggestellt werden müssen, werden diese Stationen erst ab Karfreitag angefahren. Für alle Fähren reicht das VBB-Kurzstreckenticket.


Ralf Drescher / RD
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